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http://www.agrarbericht-2010.bayern.de/ernaehrung/ernaehrungspolitk.html

Ernährungspolitik als gesamtgesellschaftlicher Auftrag

Eine gesundheitsorientierte und den heutigen Lebensentwürfen angepasste Ernährung ist eine vordringliche gesellschaftspolitische Aufgabe. Ihre Bedeutung wird künftig noch zunehmen. Sowohl die EU als auch die Bundesregierung sehen dieses Thema als politisch wichtiges Handlungsfeld, zumal sich unausgewogene Ernährung und unzureichende Bewegung und Erholung zu bedeutenden gesellschaftlichen Problemen entwickelt haben, die hohe Folgekosten verursachen.

Bei allen Maßnahmen zur Vermeidung von Fehlernährung, Übergewicht und Bewegungsmangel auf EU- und Bundesebene steht nicht die individuelle Beratung von Einzelpersonen im Mittelpunkt, sondern der Fokus richtet sich auf Bereiche, in denen sich Menschen in ihrem Alltag aufhalten, wie z. B. Schulen, Kindertageseinrichtungen, Arbeitsplatz, Freizeiteinrichtungen, Heime, Krankenhäuser und Betriebskantinen.

Mit dem EU-Weißbuch (2007) „Ernährung, Übergewicht, Adipositas: Eine Strategie für Europa“, wird ein integriertes Konzept zur Verringerung von Erkrankungen aufgrund ungesunder Ernährung vorgelegt.

Auch die Bundesregierung hat 2008 mit dem „Nationalen Aktionsplan zur Prävention von Fehlernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht und damit zusammenhängenden Krankheiten“ Ziele bis zum Jahr 2020 aufgestellt. Das „Konzept Ernährung in Bayern“ beinhaltet auch die Umsetzung des Nationalen Aktionsplans.



Verpflichtung zu unabhängiger Information und Bildung

Mit dem erklärten Ziel des Staates, die Eigenverantwortung der Bürger sowie der Wirtschaft zu stärken, wird die neutrale und objektive Konsumentenbildung immer bedeutsamer. Daraus ergibt sich der Auftrag zur Ernährungsbildung und unabhängiger Information durch staatliche Stellen, unterstützt durch weitere Organisationen der Verbraucherbildung, wie z. B. die Verbraucherverbände. Der Staat berät dabei nicht mehr selbst, sondern ist Garant für die Qualität bei den nicht-staatlichen Trägern der Ernährungsbildung.



„Konzept Ernährung in Bayern“ 

Ziel dieses Konzepts ist es, in Bayern in weiten Teilen der Gesellschaft ein Bewusstsein für einen nachhaltigen, gesundheitsförderlichen Lebensstil zu erreichen. Den Verbraucherinnen und Verbrauchern soll darüber hinaus bewusst gemacht werden, dass sie mit ihrem Nachfrageverhalten auch maßgeblichen Einfluss auf Arbeitsplatzsicherung im ländlichen Raum, Vermarktung von Regionalprodukten, Vielfalt der Einkaufsmöglichkeiten und letztlich den Zustand der Kulturlandschaft nehmen. Die Wertschätzung der Lebensmittel soll dadurch verbessert und ökonomische, ökologische und soziale Aspekte der Ernährung vermittelt werden. Eine nachhaltige Ernährung berücksichtigt die Auswirkungen von Art und Menge der verzehrten Lebensmittel auf Gesundheit, Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft. Diese Zusammenhänge gilt es in allen Schwerpunkten des Konzepts Ernährung (Gemeinschaftsverpflegung, Schulverpflegung, Junge Familie) thematisch einzubinden. In Schulen und Kindertagesstätten werden bereits entsprechende Bildungsinhalte in den Alltag integriert, jedoch nicht als eigenständiges „Schulfach“ gelehrt.

Das Konzept Ernährung in Bayern sieht eine arbeitsteilige Vorgehensweise zwischen den Ressorts der Staatsregierung vor. Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF) initiiert und moderiert diesen Prozess. Dabei werden die Aktionsfelder und Aufgaben aller beteiligten Ressorts im Bereich Ernährung und Bewegung eingebunden.

In Bayern werden in Anlehnung an den Nationalen Aktionsplan des Bundes vom Juni 2008 folgende Ziele angestrebt:

  • Etablierung einer gesundheitsbewussten Ernährungs- und Bewegungskultur in breiten Bevölkerungsgruppen – insbesondere vom Säuglingsalter bis Ende des Schulbesuchs;
  • Stärkung von eigenverantwortlichem Handeln im Umgang mit täglicher Ernährung und Bewegung;
  • Verankerung von gesundheitsförderlichem Essen in den Einrichtungen der Außer-Haus-Verpflegung durch Etablierung von Qualitätsstandards und Maßnahmen zur Qualitätssicherung;
  • Aufbau von Verantwortungsbewusstsein über die klimatischen, ökologischen und ökonomischen Konsequenzen von Angebot und Nachfrage im Lebensmittelbereich;
  • Stärkung des Verantwortungsbewusstseins der Unternehmer und des Lebensmitteleinzelhandels. Markttransparenz und Unterstützung des Zusammenspiels von Verbraucherwünschen und Unternehmerinteressen;
  • Fokussierung auf die Wertschätzung der Lebensmittel, insbesondere aus regionaler Herkunft (mehr Wertschöpfung durch Wertschätzung).
  • Zusätzlich zum Einsatz des Personals innerhalb der Landwirtschaftsverwaltung stellte der Freistaat Bayern im Jahr 2009 für die Umsetzung des aktuellen Maßnahmenpaketes zur bayerischen Ernährungspolitik im Jahr 2009 insgesamt Haushaltsmittel in Höhe von rd. 5,1 Mio. € zur Verfügung. Im Jahr 2010 stehen Haushaltsmittel in Höhe von rd. 5,6 Mio. € bereit.