Sprungmarken:

http://www.agrarbericht-2010.bayern.de/ernaehrung/gemeinschaftsverpflegung.html

Gemeinschaftsverpflegung

Immer mehr Menschen – inzwischen über ein Drittel der Bevölkerung – verpflegen sich außer Haus. So nutzt zum Beispiel jeder fünfte Erwerbstätige in Deutschland regelmäßig das Essensangebot einer Kantine. Etwa 120 000 Bürger in Bayern leben in Senioreneinrichtungen, Tendenz steigend. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass besonders die Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung Unterstützungsbedarf in Bezug auf ein gesundheitsförderliches Angebot haben.

An acht Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (Augsburg, Fürstenfeldbruck, Ebersberg, Landshut, Regensburg, Bayreuth, Ansbach, Würzburg) – den sogenannten Schwerpunktämtern Ernährung – sind Sachgebiete für den Bereich Gemeinschaftsverpflegung eingerichtet, die jeweils einen Regierungsbezirk betreuen (Ausnahme Oberbayern: zwei Sachgebiete).

Ihre Aufgaben sind insbesondere die Koordinierung und Schulung von Multiplikatoren zur Einführung von Qualitätsstandards in der Außer-Haus-Verpflegung. Dies erfolgt beispielsweise in Informationsveranstaltungen und Arbeitskreisen für Verantwortliche in Kindertageseinrichtungen, Schulen, Heimen oder Betriebskantinen. Die staatlichen Stellen unterstützen so die Verankerung einer gesundheitsförderlichen Ernährung.

Schulverpflegung
Mit der Zunahme der Ganztagsschulen steigt die Bedeutung der Schulverpflegung für die gesunde Entwicklung und den Erhalt der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen.

Im Rahmen des „Nationalen Aktionsplan zur Prävention von Fehlernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht und damit zusammenhängenden Krankheiten“ wurden in allen Bundesländern Vernetzungsstellen Schulverpflegung eingerichtet. In Bayern wurden diese in das Sachgebiet Gemeinschaftsverpflegung (s. o.) integriert. Die „Vernetzungsstelle Schulverpflegung“ ist ein Projekt, das gemeinsam von Bund und Land finanziert wird.

Die neun Fachtagungen der Vernetzungsstellen Schulverpflegung in Bayern im Jahr 2009 wurden von fast 1 500 Vertretern der Schulen, der Träger und der Verpflegungsanbieter besucht. In insgesamt 17 regionalen Gruppen tauschen sich seit Herbst 2009 rd. 400 Verantwortliche und Akteure zu Fachthemen und schulspezifischen Lösungsansätzen aus. Im Schuljahr 2009/2010 werden im Modellprojekt „Coaching in der Schulverpflegung“ zudem 27 Schulen aller Schularten und aus allen Regierungsbezirken von 22 eigens geschulten Beratern bei der Optimierung ihrer Mittagsverpflegung individuell betreut.

Mit einem eigenen Förderprojekt „Schülerunternehmen – Essen was uns schmeckt“ unterstützt das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten die Einrichtung von Schülercafes, in denen Schüler selbst aktiv werden und gesundheitsförderliche Verpflegung anbieten. Insgesamt konnte seit Beginn des Programms im Schuljahr 2002/2003 der Start von 192 gesundheitsförderlichen Schülerunternehmen unterstützt werden.

EU-Schulmilchprogramm
Im Rahmen der EU-Schulmilchförderung wurden im Schuljahr 2008/2009 insgesamt 1 754 Einrichtungen mit Schulmilch beliefert und knapp 1 579 000 kg Milch und Milchprodukte mit 285.408 € verbilligt abgegeben. Derzeit beträgt die Beihilfe 4,67 Cent je Viertelliterpackung Schulmilch. Die Palette der beihilfefähigen Erzeugnisse wurde im Berichtszeitraum um Fruchtjogurt, Frischkäse und Käse erweitert. Diese neuen Produkte steigern die Attraktivität von Milchprodukten bei Schülerinnen und Schülern. Wie das Ergebnis einer Internetumfrage an allen Grund-, Haupt-, Realschulen und Gymnasien in Bayern 2008 ergab, werden an 56 % der Schulen Milch und Milchprodukte im Rahmen der Schulverpflegung angeboten. An dem EU-Schulmilchprogramm beteiligen sich mehr als ein Fünftel der Schulen. Um Schulmilch wieder stärker ins Bewusstsein von Schülern und Schulen zu bringen, hat Bayern die Aktion „Mehr Milch an Bayerns Schulen“ gestartet. Für diese Initiative wurde an jedem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) ein Schulmilchbeauftragter als Ansprechpartner für Schulen, Molkereien und Direktvermarkter benannt. Zusätzlich werden im Rahmen von Aktionswochen zahlreiche Veranstaltungen zur Förderung der Schulmilch in Bayern durchgeführt.

EU-Schulfruchtprogramm
Bayern hat als eines von wenigen Bundesländer das EU-Schulfruchtprogramm bereits im Schuljahr 2009/2010 umgesetzt und dafür 2 Mio. € Kofinanzierungsmittel bereitgestellt. Im ersten Schritt werden die Jahrgangsstufen 1 bis 4 der Grundschulen in Bayern in das Programm einbezogen. Im Rahmen der verfügbaren Haushaltsmittel erhalten die Schüler kostenlos Obst oder Gemüse.

Kindertageseinrichtungen
Da die Qualität der Ernährung in den Einrichtungen abhängig vom Ernährungswissen des verantwortlichen Personals ist, wurden von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), Institut für Ernährung und Markt, speziell für diese Zielgruppe Qualifizierungsangebote in Form von Workshops entwickelt.

Die Verantwortlichen sollen befähigt werden, das bestehende Angebot ihrer Einrichtung sachgerecht zu beurteilen und einrichtungsrelevante Qualitätsstandards festzulegen. Bei Optimierungsbedarf sollen sie zielgerichtet argumentieren und Wege zur Durchsetzung eines verbesserten Verpflegungsangebots erschließen.

Zur Verbesserung der Verpflegung in Kindertagesstätten werden derzeit an 44 Orten in Bayern Workshops durchgeführt. Bis Juli 2010 konnten auf diesem Weg mehr als 1 000 Erzieherinnen, Träger von Kindertagesstätten und sonstige Verpflegungsverantwortliche fortgebildet werden.

Gesundheits- und Sozialeinrichtungen, Unternehmen
Auch in den Bereichen der Betriebs- und Heimverpflegung werden mit einer Qualitätsverbesserung der Verpflegung sowie der Vorbildwirkung der öffentlichen Hand die Ziele des „Nationalen Aktionsplan zur Prävention von Fehlernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht und damit zusammenhängenden Krankheiten“ verfolgt. Im Fokus stehen dabei die Fach- und Führungskräfte der Verpflegungsanbieter.

Durch ein breites Angebot an Veranstaltungen, Fachtagungen und intensiver Arbeitskreisarbeit soll u. a. sichergestellt werden, dass die im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz entwickelten Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung in Fachkreisen bekannt und so weit wie möglich eingeführt werden.

Bei acht Fachtagungen der Schwerpunktämter Ernährung wurde mit rd. 1 400 Fach- und Führungskräften aus Kinder-, Jugend- und Senioreneinrichtungen, Kantinen und Betriebsrestaurants, Krankenhäusern und anderen Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung eine überregionale Plattform geschaffen, die in regionalen Arbeitskreisen intensiviert wird.