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http://www.agrarbericht-2010.bayern.de/landwirtschaft-laendliche-entwicklung/alterssicherung-der-landwirte.html

Alterssicherung der Landwirte

Die Alterssicherung der Landwirte (AdL) ist ein eigenständiges System der Alterssicherung für landwirtschaftliche Unternehmer, ihre Ehegatten und mitarbeitende Familienangehörige.

Die gesetzliche Grundlage bildet das Gesetz über die Alterssicherung der Landwirte (ALG). Die AdL wurde im Jahr 1957 eingeführt und ist als Teilsicherungssystem konzipiert, da davon ausgegangen wird, dass die Versicherten ihre Altersversorgung individuell durch Altenteilansprüche und/oder eine zusätzliche freiwillige Vorsorge ergänzen.

Daneben trägt diese auch zur Umsetzung agrarpolitischer Ziele bei, indem beispielsweise die Gewährung von Rentenleistungen stets die Abgabe des landwirtschaftlichen Unternehmens voraussetzt. Nach dem ALG sind Landwirte versicherungspflichtig, deren Unternehmen auf Bodenbewirtschaftung beruht und eine Mindestgröße erreicht, die von der Selbstverwaltung der zuständigen landwirtschaftlichen Alterskasse festgelegt wird. Die Mindestgröße in der Landwirtschaft beträgt seit 1. Dezember 2009 in Bayern einheitlich 8 ha.

Entwicklung des Personenkreises der landwirtschaftlichen Altershilfe

Jahr Versicherte1)2) Bayern Versicherte1)2) Bund Darunter Landwirte im Sinne des § 1 Abs. 2 ALG4) Bayern Darunter Landwirte im Sinne des § 1 Abs. 2 ALG4) Bund Darunter Landwirte im Sinne des § 1 Abs. 3 ALG Bayern Darunter Landwirte im Sinne des § 1 Abs. 3 ALG Bund Renten-empfänger2)3) Bayern Renten-empfänger2)3) Bund
in 1.000 Personen
1980 210,6 650,0 198,6 597,4 161,8 554,2
1990 160,7 488,3 142,3 426,6 161,2 528,9
2000 129,1 387,8 73,1 236,0 49,0 131,2 183,2 579,9
2006 94,5 291,5 56,1 186,8 33,7 91,4 204,3 627,7
2007 91,0 281,4 54,3 181,6 32,1 87,3 206,0 628,9
20085) 88,1 272,3 52,9 176,8 30,8 83,5 205,5 627,3
durchschnittliche jährliche Veränderungen (in %)
1990 zu 1980 –2,4 –2,5 –2,8 –2,9 –0,0 –0,5
2000 zu 1990 –2,0 –2,1 –4,9 –4,5 1,4 1
2008 zu 2000 –3,5 –3,3 –3,1 –2,8 –4,1 –4,0 1,4 0,9
2008 zu 20075) –3,2 –3,2 –2,6 –2,6 –4,0 –4,4 –0,2 –0,3

1) Einschließlich Weiterentrichtung.

2) Einschließlich mithelfende Familienangehörige.

3) Vor 1995 Altersgeldempfänger (einschließlich vorzeitige Altersrenten), ab 1995 alle Empfänger von Rentenleistungen.

4) Jahre 1990 und früher beitragspflichtige landwirtschaftliche Unternehmer nach GAL.

5) Vorläufiges Ergebnis.

Die anhaltenden strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft schlagen sich auch in einem weiter abnehmenden Versichertenbestand der landwirtschaftlichen Alterskassen nieder. Im Zeitraum von 2005 bis 2009 ist der Bestand der Versicherten um mehr als 13 % auf zuletzt rd. 85 000 Versicherte Ende 2009 gesunken.

Zunehmend wird auch vom Recht auf Befreiung von der Versicherungspflicht Gebrauch gemacht. Zum Stichtag 30. Juni 2009 waren ca. 263 000 Personen von der Versicherungspflicht befreit oder versicherungsfrei. Häufigster Befreiungsgrund ist der Bezug eines außerlandwirtschaftlichen Arbeitsentgelts von mehr als 4.800 € je Jahr.

Mit dem Hinzukommen der Ehegatten (§ 1 Abs. 3 ALG) durch die Agrarsozialreform von 1995 hat sich die Schere zwischen der Zahl der Beitragspflichtigen und der der Rentenempfänger kurzzeitig geschlossen. Seither öffnet sie sich wieder. 2008 hat sich ein Verhältnis von 100 : 233 (Bund: 100 : 230) eingestellt.

Den bundeseinheitlichen Leistungen der landwirtschaftlichen Alterssicherung steht ein bundeseinheitlicher Beitrag gegenüber. Seit der Agrarsozialreform ist die Entwicklung des Alterskassenbeitrags an die Beitragsentwicklung in der gesetzlichen Rentenversicherung gekoppelt. Durch diese Regelung steigerte sich der Alterskassenbeitrag von 148,79 € pro Monat im Jahr 1995 auf 212 € pro Monat im Jahr 2010.

Entwicklung des Einheitsbeitrages zur landwirtschaftlichen Alterskasse

JahrBeitrag in €/MonatØ jährliche Veränderung zum vorausgehenden Zeitraum in %
197524,54.
198035,849,2
1990120,6623,7
2000174,866,9
2001176,911,2
20021875,7
20031985,9
20042011,5
2005199–1,0
20061990
20072042,5
20082123,9
20092172,4
2010212–2,3

Die tatsächliche individuelle Beitragsbelastung ergibt sich erst aus der Berechnung eines möglichen Beitragszuschusses. Die durchschnittliche Beitragszuschusshöhe beträgt in Bayern 84 € je Monat und Beitragszuschussberechtigten.

Einheitsbeitrag und Beitragszuschuss nach dem Gesetz über die Alterssicherung der Landwirte 2010

Einkommensklasse bis . . . € Beitragszuschuss €/Monat Effektive Belastung €/Monat Effektiv zu zahlender Anteil des Einheitsbeitrages in %
a) Einheitsbeitrag
Einheitsbeitrag €/Monat 212,00
b) Beitragszuschuss1)
8.220 127 85 40
8.740 119 93 44
9.260 110 102 48
9.780 102 110 52
10.300 93 119 56
10.820 85 127 60
11.340 76 136 64
11.860 68 144 68
12.380 59 153 72
12.900 51 161 76
13.420 42 170 80
13.940 34 178 84
14.460 25 187 88
14.980 17 195 92
15.500 8 204 96
Über 15.500 0 212 100

1) Einkommensberechnung: Betriebliches Einkommen (gemäß Buchführung oder korrigiertem Wirtschaftswert) plus außerlandwirtschaftliches Einkommen.

Die Gesamtausgaben der landwirtschaftlichen Alterskassen werden aus den Beiträgen der Landwirte, aus sonstigen Einnahmen sowie aus den Zuwendungen des Bundes (Defizithaftung) finanziert. Ihre Höhe wird wesentlich durch das Volumen der Renten bestimmt (Anteil 2008: Bayern 96,3 %, Bund 95,8 %).

Mit der Agrarsozialreform konnte der Trend der steigenden Gesamtausgaben umgekehrt werden, so dass 2008 erstmals wieder weniger als 3 Mrd. € Gesamtausgaben zu verzeichnen waren. Die Gründe für diese Kostenbremse liegen in der Dämpfung des Anstiegs der Rentenleistungen und in der Kürzung der Mittel für Rehabilitation sowie Betriebs- und Haushaltshilfe.

Einnahmen und Ausgaben der landwirtschaftlichen Alterskassen

JahrBeitragsaufkommen BayernBeitragsaufkommen BundBundesmittel BayernBundesmittel BundGesamtausgaben BayernGesamtausgaben Bund
in Mio. €
198090,8281,6282,71.015,90374,61.303,30
1990224,8687,9429,71.414,90656,22.107,20
2000270,2802,2678,82.166,00949,72.995,60
2007220,4674,7739,92.309,50970,53.016,70
20081)221,2678730,42.275,10960,32.983,80
Ø jährliche Veränderungen (in %)
1990 zu 198014,814,45,23,97,56,2
2000 zu 19902,01,75,85,34,54,2
2008 zu 20071)0,40,5–1,3–1,5–1,1–1,1

1) Vorläufiges Ergebnis.

Der Anteil der Beiträge an den Gesamtausgaben lag 2008 bei 23,0 %. Hierbei ist jedoch zu berücksichtigen, dass die landwirtschaftliche Alterssicherung, wie bereits erwähnt, nur eine Teilsicherung der bäuerlichen Altersversorgung ist, die durch die Austragsleistungen der Hofübernehmer (freie Kost, Wohnung und Fürsorge) unterstützt werden soll. Unter Einrechnung des Wertes dieser Leistungen beträgt die bäuerliche Selbstbeteiligung an ihrer Altersversorgung im Durchschnitt gut 50 %.