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http://www.agrarbericht-2010.bayern.de/landwirtschaft-laendliche-entwicklung/fischerei.html

Fischerei

Mit einer Wasserfläche von 143 900 ha ist Bayern das wasserreichste Bundesland in Deutschland. Neben der Versorgung der Bevölkerung mit gesunden Nahrungsmitteln erfüllt die Fischerei auch wichtige Funktionen bei der Freizeitgestaltung und für den Umwelt-, Gewässer- und Artenschutz.

Seen- und Flussfischerei

Von der etwa 30 000 ha großen Seenfläche in Bayern bewirtschaften annähernd 200 Erwerbsfischer 25 000 ha; davon entfallen auf den Chiemsee 8 000 ha, den Starnberger See 5 600 ha und den Ammersee 4 600 ha. Die Renke ist der Hauptfisch der Seenfischerei. Daneben werden Weißfische, Zander, Hechte u. a. gefangen. Der jährliche Fischertrag aus der erwerbsmäßigen Seenfischerei Bayerns liegt bei rd. 400 Tonnen einschließlich der bayerischen Bodenseefischerei.

Zurzeit wird die Flussfischerei noch von etwa zehn Berufsfischern an Donau, Main, Inn und Isar betrieben. Dieser Rückgang ist auf die früher starke Verschmutzung der Flüsse und deren Ausbau mit Wehren und Kraftwerken zurückzuführen. Während sich die Gewässerqualität wieder laufend verbessert, ist die Querverbauung der Fließgewässer nach wie vor ein großes Problem.

Karpfenteichwirtschaft

Im Durchschnitt der Berichtsjahre wurden mit rd. 6 000 Tonnen Speisekarpfen in Bayern etwa 50 % der gesamten deutschen Produktionsmenge erzeugt. Neben den Karpfen werden in den 20 000 ha umfassenden Karpfenteichen noch Schleien, Hechte, Zander, Welse und bedrohte Kleinfischarten aufgezogen. Karpfenteiche bieten als eines der wenigen verbliebenen Flachgewässer Rückzugsgebiete für seltene Pflanzen und Tierarten. Zum Ausgleich der Einkommensverluste bei extensiver Bewirtschaftung bietet der bayerische Staat Fördermittel über das Vertragsnaturschutz- und das Kulturlandschaftsprogramm an. Im Jahr 2008 wurden über das Kulturlandschaftsprogramm rd. 610.000 € und über das Vertragsnaturschutzprogramm rd. 260.000 € ausbezahlt. Auch für das Jahr 2009 wird von einer ähnlich hohen Inanspruchnahme ausgegangen. Die endgültigen Daten für 2009 standen bei Redaktionsschluss noch nicht fest.

Zur „Erhebung von einzelbetrieblichen Untersuchungswerten bei Karpfenteichwirtschaften hinsichtlich der Verbreitung des Koi-Herpes-Virus (KHV-Monitoring Karpfenteiche)“ wurde ein Forschungsprojekt durchgeführt, für das 52.935 € verausgabt wurden.

Forellenteichwirtschaft

Der bayerische Anteil an den in Deutschland jährlich produzierten 20 000 Tonnen Speiseforellen beträgt knapp 8 000 Tonnen. Von den insgesamt etwa 10 000 deutschen Betrieben liegen 3 300 (33 %) in Bayern.

Zwar nimmt die Regenbogenforelle nach wie vor den ersten Rang in der Forellenteichwirtschaft ein, doch stieg in den letzten Jahren die Bedeutung des Saiblings als Speisefisch deutlich an. Für den Besatz der freien Gewässer werden neben den genannten Arten auch Bachforelle, Seesaibling und in geringem Umfang Äsche und Huchen aufgezogen.

Angelfischerei

Nach Schätzungen üben in Bayern etwa 275 000 Personen die Angelfischerei aus. Etwa die Hälfte davon ist im Landesfischereiverband organisiert. Die staatliche Fischerprüfung legen jährlich ungefähr 9 000 Kandidaten ab, davon etwa 8 000 mit Erfolg. In der Angelfischerei wurden in den Jahren 2008/2009 aus der Fischereiabgabe Fördermittel in Höhe von 4.728.518 € zur Schaffung der Durchgängigkeit und Renaturierung von Fließgewässern, für Arten- und Gewässerschutzprojekte, für Besatzmaßnahmen im Rahmen von Artenhilfsprogrammen, für Aus- und Fortbildungsmaßnahmen, für die Jugendarbeit und für den Fischgesundheitsdienst eingesetzt.

Staatliche Maßnahmen

  • Der Zustand der Fischbestände und die Gefährdungspotenziale werden durch die Fischartenkartierung erfasst. Sie ist die Basis für die Sicherung der Bestände. Für die Entwicklung und Umsetzung von Schutzkonzepten wurden Personal- und Sachkosten im Berichtszeitraum mit insgesamt 65.200 € bezuschusst.
  • Unter der fachlichen Leitung der Technischen Universität München sowie der finanziellen Unterstützung des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und des Landesfischereiverbandes werden Verletzungs- und Mortalitätsraten von Fischen bei der Passage von Wasserkraftwerken untersucht. So sollen Möglichkeiten zur Vermeidung von Schäden durch Turbinen erarbeitet werden.
  • Für die erwerbsmäßige Fischerei wurden im Berichtszeitraum Fördermittel in Höhe von 1,97 Mio. € davon 1,04 Mio. € EU- und 0,93 Mio. € Landesmittel zur Verfügung gestellt, mit dem Ziel die Produktionsbedingungen, Qualitätsstandards und die Wertschöpfung zu verbessern.
    Grundlage der Förderprogramme sind der Europäische Fischereifonds (EFF) bzw. die EU-Verordnungen Nr. 1198/2006 und Nr. 498/2007.
  • Zu den Verpflichtungen aus der EU-Wasserrahmenrichtlinie und der FFH-Richtlinie gehören regelmäßige Bestandserfassungen. Im Jahr 2007 begann dazu eine Fischartenerhebung deren Ergebnisse in einer zentralen Datenbank am Institut für Fischerei gesammelt werden.