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Gartenbau

In Bayern produzieren 6 500 Betriebe auf einer Nutzfläche von 23 600 ha gärtnerische Kulturen zum Verkauf. Daneben gibt es in allen Sparten eine Vielzahl von Kleinerzeugern, die statistisch nicht erfasst werden, jedoch der Berufsgenossenschaft gemeldet sind. Gemäß einer Studie der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf sind im Gesamtbereich Gartenbau in Bayern rd. 65 000 Personen in 28 000 Unternehmen beschäftigt. Der Gesamtumsatz dieser grünen Branche beträgt ca. 10 Mrd. €.

Strukturelle Veränderungen im bayerischen GartenbauSchaubild 41 in höherer Auflösung


Zierpflanzenbau

Nach der Gartenbauerhebung 2005 gab es in Bayern 1 611 Betriebe mit Anbau von Zierpflanzen. Die Fläche dieser Betriebe betrug 1 238 ha. Bei 868 Betrieben bildet der Zierpflanzenanbau mit einer Fläche von 773 ha den Schwerpunkt, 337 ha davon im Gewächshaus.

Je nach Marktstellung werden direkt an den Endverbraucher absetzende Einzelhandelsgärtnereien von indirekt absetzenden Zierpflanzenbaubetrieben unterschieden, die den Groß- bzw. Fachhandel bedienen. Die Einzelhandelsgärtnereien bieten hierbei ihren Kunden ein umfangreiches Pflanzen- und Dienstleistungsangebot und müssen sich gegenüber einer ständig wachsenden Konkurrenz branchenfremder Anbieter profilieren. Die Erfordernisse des Handels bedingen auch in Bayern eine zunehmende Spezialisierung v. a. der indirekt absetzenden Produktionsgärtnereien auf ausgewählte Kulturen bzw. Kulturstadien von Zierpflanzen. Domäne der bayerischen Zierpflanzengärtnereien sind nach wie vor Beet- und Balkonpflanzen.

Gemüsebau

Von rd. 2 700 Betrieben, die in Bayern Gemüse anbauen, bildet bei 770 Betrieben mit rd. 7 000 ha der Gemüseanbau den Schwerpunkt der Betriebseinnahmen.

In der Folge des Strukturwandels gaben in den vergangenen 10 Jahren im Schnitt jährlich knapp 4 % der Betriebe den Gemüseanbau auf. Gleichzeitig nahm die Anbaufläche zu. Die Freilandfläche in Bayern beträgt rd. 13 300 ha. Rd. 40 % dieser Fläche liegen in Niederbayern, wo sich Deutschlands größte Anbaugebiete für Einlegegurken bzw. Zwiebeln befindet. Auf 284 ha werden in Bayern Gemüsearten unter Glas kultiviert. Die wichtigste Gemüsekultur in Bayern ist der Spargel. Im Jahr 2009 standen 1 857 ha im Ertrag. Hinzu kommen 449 ha Junganlagen, die noch nicht beerntet wurden. 2008 wurde eine Ernte von 8 325 Tonnen erzielt. Weitere bedeutende Kulturen im Freiland sind neben Speisezwiebeln und Einlegegurken, Möhren und Weißkraut (vgl. Tabelle „Gemüseanbau im Freiland“). Hauptkulturen im bayerischen Unter-Glas-Anbau sind Gurken, Feldsalat und Tomaten (vgl. Tabelle „Gemüseanbau in Unterglasanlagen“). Hauptabsatzkanäle für bayerisches Gemüse sind die Verarbeitungsindustrie, die den Anbau mit den Erzeugern vertraglich regelt, der Lebensmitteleinzelhandel (LEH), der direkt oder über private und erzeugerbasierte Absatzeinrichtungen bedient wird sowie der Direktabsatz an den Endverbraucher.

Gemüseanbau im Freiland

Wichtige Kulturen2008 (ha)2009 (ha)2009 (%)
Anbaufläche insgesamt13.67013.323100
Spargel im Ertrag1.8541.85713,9
Speisezwiebeln1.8441.72212,9
Einlegegurken1.2861.2629,5
Gelbe Rüben1.1999527,1
Weißkraut1.0069437,1
Blaukraut5735914,4
Kopfsalat4223932,9
Rote Rüben3393953
Knollensellerie3383132,3
Blumenkohl3123122,3

Gemüseanbau in Unterglasanlagen (in ha)

Gemüseart20082009
Anbaufläche insgesamt283,1284,1
Gurken56,656,1
Feldsalat54,056,1
Tomaten44,746,5
Kopfsalat31,329,0
Rettich13,7.
Radies9,511,7
Paprika9,410,4
Kohlrabi6,96,4

Heil- und Gewürzpflanzen

Seit mehr als 500 Jahren hat der Anbau von Heil- und Gewürzpflanzen in Bayern Tradition. Auf über 2 000 ha kultivieren die bayerischen Erzeuger überwiegend im Vertragsanbau heute mehr als 50 Arten und veredeln sie zu hochwertigen pflanzlichen Rohstoffen. Nach den jeweiligen Maßgaben der aufnehmenden Hand werden Qualitäten erzeugt, die den hohen Anforderungen in der Lebensmittelindustrie und der pharmazeutischen Industrie gerecht werden.

Eine vielversprechende Nische stellt der Anbau von Pflanzen für die traditionelle chinesische Medizin (TCM) dar. Um für Anbau, Aufbereitung und Vermarktung gemeinsam optimale Lösungen zu finden, sind in Bayern Anbauer und Verarbeiter im Erzeugerring für Heil- und Gewürzpflanzen e. V. und im Verein zur Förderung des Heil- und Gewürzpflanzenanbaus e. V. organisiert. Beide Organisationen arbeiten eng mit der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft zusammen.

Obstbau

Nach der letzten Erhebung über die Bodennutzung in Bayern wurden auf 5 300 ha verschiedene Obstarten kultiviert. Laut Baumobsterhebung betreiben dabei 1 843 Betriebe auf einer Fläche von 2 861 ha Obstbau zum Verkauf (Marktobstbau). Bei dieser Erhebung wurden auf dieser Fläche 3,25 Mio. Obstbäume gezählt.

Anbauschwerpunkte sind Unterfranken (899 ha; 777 900 Bäume), Schwaben (713 ha; 1 900 000 Bäume) und Oberfranken (768 ha; 277 600 Bäume).

Die bedeutendste Baumobstkultur in Bayern ist der Apfel. Die Schwerpunktregion des Apfelanbaus in Bayern liegt am Bodensee. Im Landkreis Lindau produzieren rd. 150 Obstbauern auf einer Fläche von ca. 700 ha Äpfel. Statistisch wurden in Bayern insgesamt 2,4 Mio. ertragsfähige Apfelbäume auf einer Anbaufläche von rd. 1 220 ha erfasst. Der Hektarertrag lag 2008 mit 316 Dezitonnen unter dem Rekordergebnis aus dem Jahr 2007 (351 Dezitonnen), jedoch deutlich über dem Mittel 2002/2007 mit 274 Dezitonnen.

Anbauflächen und Erntemengen verschiedener Obstarten in Bayern (Marktobstanbau)

ObstartAnbaufläche in ha1)Erntemenge in dt 2008Erntemenge in dt 2009
Äpfel1.221386.60332.893
Birnen30953.4266.638
Süßkirschen60029.3994.326
Sauerkirschen1115.4021.030
Pflaumen und Zwetschgen57121.9427.499
Mirabellen und Renekloden501.932676

1) Ergebnis der Baumobstanbauerhebung 2007.

Bedeutendste Beerenobstart sind in Bayern die Erdbeeren. 2009 wurden auf 1 541 ha Erdbeeren geerntet. Bei einem durchschnittlichen Ertrag von 121,7 Dezitonnen je Hektar wurden insgesamt 18 759 Tonnen geerntet. Die Anbauflächen bei Johannisbeeren betrugen im Jahr 2009 163 ha und bei Himbeeren 152 ha.

Baumschulen

Die im Rahmen der Gartenbauerhebung in Bayern erfasste Baumschulfläche lag bei rd. 2 100 ha. Die Baumschulen konzentrieren sich auf die Regierungsbezirke Oberbayern, Niederbayern, Schwaben und die Baumschulzentren in Effeltrich, Langensendelbach und Poxdorf in der Nähe von Erlangen.

Das Baumschuljahr 2008/2009 hat sich in vielen Betrieben als äußerst positiv dargestellt. Der Garten wird verstärkt als wertvoller Freizeit- und Erholungsraum wahrgenommen und entsprechend bepflanzt. Außerdem schärft der zu erwartende Klimawandel das Bewusstsein in der Gesellschaft über den ökologischen Wert von Gehölzen und Bäumen.

Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau

Der Sektor Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (GaLaBau) in Bayern hat sich auf die Bedürfnisse des immer stärker werdenden privaten Marktes eingestellt. Dadurch konnten Auftragseinbußen in Höhe von 4 % im Umfeld des öffentlich-rechtlichen und gewerblichen Wohnungsbaus kompensiert werden (vgl. Schaubild „Auftraggeberstruktur im GaLaBau nach Umsatzanteil im Jahr 2008“).

Auftraggeberstruktur im GaLaBau nach Umsatzanteil im Jahr 2008Schaubild 42 in höherer Auflösung


Freizeitgartenbau

Der Freizeitgartenbau hat in Bayern einen wichtigen ökologischen, sozioökonomischen und kulturellen Stellenwert. Rd. 2 Mio. Gartenbesitzer bewirtschaften eine Fläche von zusammen ca. 135 000 ha. Mehr als 770 000 Privatpersonen sind Mitglied in einem der insgesamt fünf bayerischen Verbände des Freizeitgartenbaus. Die große ökonomische Bedeutung des bayerischen Freizeitgartenbaus belegt eine Studie der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Danach wird das Umsatzvolumen auf 2,5 Mrd. € pro Jahr geschätzt.