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http://www.agrarbericht-2010.bayern.de/landwirtschaft-laendliche-entwicklung/gefluegel.html

Geflügel

Die Geflügelhaltung in Bayern war im Berichtszeitraum im Wesentlichen geprägt durch:

  • die fortschreitende Umstellung auf alternative Legehennenhaltungssysteme, bedingt durch das Auslaufen der Batteriekäfighaltung gemäß der Zweiten Verordnung zur Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung vom 1. August 2006;
  • die gegen Ende der Übergangsfrist zum 31. Dezember 2009 festzustellende Verknappung des Eierangebotes aus einheimischer Erzeugung aufgrund von Umbaumaßnahmen, Betriebsaufgaben und in der Folge deutlich höheren Erzeugerpreisen;
  • den weiteren Anstieg des Geflügelfleischverbrauches und die Werbung der Schlachtereien zur Gewinnung neuer Geflügelfleischproduzenten.

Die Anforderungen an die Hygiene in Legehennenbetrieben erhöhten sich durch die Bestimmungen der Zoonosen-Verordnung.

Legehennenhaltung

Eine Viehzählung bei Geflügel wurde im Berichtszeitraum nicht durchgeführt.
In den 29 079 bayerischen Betrieben mit Legehennen wurden nach der Viehzählung vom Mai 2007 insgesamt 3,7 Mio. Legehennen im Alter von über einem halben Jahr gehalten. Die bayerische Legehennenhaltung hat in Deutschland einen Anteil von rd. 10 %.

Legehennenhaltung

JahrLegehennenhalterLegehennen
199944.3194.452.396
200330.5264.190.192
200729.0793.759.635

Im Zeitraum seit 1999 verringerte sich insbesondere die Zahl der Legehennenhalter (–34,4 %). Die Zahl der Legehennen ging von 4,5 Mio. auf 3,8 Mio. zurück (–15,6 %). Überwiegend stellten die Betriebe mit kleineren Beständen, in denen die Hühnerhaltung in der Regel ohne wirtschaftliche Bedeutung betrieben wird, die Haltung ein. Die Legehennenhaltung hat ihre regionalen Schwerpunkte in Niederbayern mit 51,9 %, gefolgt von der Oberpfalz mit 20,7 % und Oberbayern mit 8,5 % der Tiere.

Legehennen nach Bestandsgrößen in den marktrelevanten Betrieben ab 3.000 Hennen

Bestandsgröße von . . . bis . . . Legehennen Tiere Januar 2009 % Januar 2009 Tiere Januar 2010 % Januar 2010
Unter 5.000 87.330 3,2 84.991 3,3
5.000 – 9.999 240.596 8,7 239.996 9,4
10.000 – 29.999 617.189 22,3 634.122 24,8
30.000 und mehr 1.817.205 65,8 1.597.072 62,5
Insgesamt 2.762.320 100 2.556.181 100

Mit der staatlichen Beratung und dem Agrarförderprogramm (AFP) hat Bayern in den letzten Jahren die Umstellung auf artgerechte Legehennenhaltung unterstützt. In den vermarktenden Betrieben standen Anfang 2010 alle Legehennen in Boden- oder Freilandhaltung bzw. in ausgestalteten Käfigen oder Kleingruppenhaltung. Zum Jahresbeginn 2010 verminderte sich der Legehennenbestand in den Betrieben ab 30 000 Tieren deutlich; die Verminderung ist zum großen Teil auf die seinerzeit noch laufende Umstellung der Haltungseinrichtungen zurückzuführen.

Gemäß Legehennenbetriebsregistergesetz sind alle Betriebe mit mehr als 350 Legehennen und neuerdings alle auf Wochenmärkten und in Hofläden vermarktenden Betriebe, unabhängig von der Bestandsgröße, verpflichtet, sich registrieren und eine Betriebskennnummer zuteilen zu lassen. Dabei wird für jeden einzelnen Stall auch die Haltungsart der Legehennen erfasst.

Anzahl der nach dem Legehennenbetriebsregistergesetz erfassten Betriebe

Betriebsgröße Legehennenplätze Ställe Gesamt1)2) Ökologische Erzeugung1) Freiland-haltung1)3) Boden-haltung1)3) Kleingruppe/ausgestalteter Käfig1)
unter 3.000 668 424.830 56.611 92.163 346.991 21.538
3.000 – 4.999 63 238.216 45.300 43.240 171.026 30.882
5.000 – 9.999 62 431.981 68.325 65.025 361.385 23.659
10.000 – 29.999 44 797.076 22.900 240.669 718.186 19.800
30.000 und mehr 23 2.138.811 142.000 1.058.011 1.069.304
Insgesamt 860 4.030.914 193.136 583.097 2.655.599 1.165.183

1) Legehennenplätze.

2) Anzahl der Legehennenplätze ohne Doppelmeldungen.

3) Doppelmeldungen als Bodenhaltung und Freilandhaltung möglich. Stand: 31.03.2010.

In der oben genannten Tabelle werden rd. 4,03 Mio. Legehennenplätze erfasst. Im Bereich der alternativen Haltungsmethoden sind Doppelmeldungen möglich, da Ställe sowohl als Bodenhaltung und gleichzeitig auch als Freilandhaltung gemeldet sein können. Die Auslastung der Hennenplätze liegt erfahrungsgemäß lediglich bei etwa 80 %.

Im Rahmen der Umstellungsphase haben die meisten Betriebe in das System „Bodenhaltung“ investiert. In Deutschland endete zum 31. Dezember 2009 die bis dahin dominierende Haltungsart der Käfighaltung.

Die Jahreslegeleistung je Henne liegt derzeit in Bayern bei 285 Eiern. Der Pro-Kopf-Verbrauch beträgt derzeit 214 Eier. Insgesamt liegt der Selbstversorgungsgrad bei Eiern in Deutschland derzeit bei rd. 55 %, in Bayern unter 50 %. Die Preise lagen wegen des verminderten Angebots in der Umstellungsphase über dem Niveau der Vorjahre.

Legeleistung und Eiererzeugung je Jahr

Merkmal19952000200720082009
Eier je Henne/Stück265272285288285
Pro-Kopf-Eierverbrauch224223210211214
Selbstversorgungsgrad7276676755

Die Ab-Hof- und Direktvermarktung von Eiern ist ähnlich zum gesamtdeutschen Trend rückläufig und dürfte derzeit noch einen Anteil von etwa 15 % ausmachen. Verpackt werden in Deutschland und auch in Bayern nur noch lediglich rd. 43 % der Eier verkauft. Der Anteil des Verkaufs über Discounter ist zunehmend (Quelle: AMI).

Mastgeflügelerzeugung

Nach vorübergehendem Absinken nach Auftreten der Geflügelpest im Jahr 2006 hat der Verbrauch an Geflügelfleisch deutlich zugenommen. Für das Jahr 2008 ergeben sich folgende Daten für Deutschland: Gesamtverbrauch 18,8 kg, davon Hähnchen 11,7 kg, Puten 5,7 kg, Sonstige 1,4 kg; Selbstversorgungsgrad 87 %.

Die integrierte Produktion von der Brüterei über den Mäster, die Futterhersteller und die Schlachtung ist sehr weit verbreitet. Die Mäster stehen dabei meist in einer Vertragsbeziehung zu Schlachtunternehmen, in der Produktionsbedingungen, Qualität und Vergütung detailliert geregelt sind.

Die Vermarktung von Geflügelfleisch findet zunehmend über Discounter statt. 2009 wurden 49 % der in Haushalten gekauften Menge über diese Vermarktungsform abgesetzt – 2008 nur 44 %.

Die Nachfrage nach Bio-Geflügelfleisch steigt. Allerdings wurden in Deutschland 2008 mit 10 000 Tonnen erst 0,7 % der Gesamterzeugung nach den ökologischen Richtlinien erzeugt (Quelle: AMI). Der Direktvermarktungsanteil liegt bei 24 % und damit deutlich über dem Durchschnitt anderer Bio-Fleischarten.

Nach Auswertungen des Bayerischen Landesamtes für Statistik und Datenverarbeitung hat die Geflügelmast in Bayern ihren Produktionsanteil an der gesamtdeutschen Erzeugung von 8,3 % im Jahr 2000 auf 9,3 % im Jahr 2008 ausbauen können.

Die 2007 beschlossene EU-Masthühnerrichtlinie wurde mit der Vierten Verordnung zur Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung vom 1. Oktober 2009 in Deutschland umgesetzt.

Mastgeflügelerzeugung (Geflügelschlachtereien mit einer monatlichen Schlachtkapazität ab 2.000 Tieren)

Merkmal1990200020072008
Geflügelschlachtereien31261516
Schlachtgewicht (in t)71.86763.097102.795115.791

Junghühnermast

Nach der Viehzählung vom Mai 2007 halten 866 Betriebe 4,7 Mio. Masthähnchen. Dies bedeutet eine Steigerung um rd. 771 000 Tiere seit 2001. Die 99 Betriebe mit Stallkapazitäten über 10 000 Tiere halten daran einen Anteil von rd. 98 % der Tiere. Schwerpunkte der Hähnchenmast sind Niederbayern und die Oberpfalz.

Der Selbstversorgungsgrad für Hähnchenfleisch in Deutschland betrug 2008 95 %.

Bestandsgrößenstruktur in der Junghühnermast 2007

Bestandsgrößen von . . . bis . . . MasthühnerMäster AnzahlMäster Anteil in % an insgesamtMasthühner AnzahlMasthühner Anteil in % an insgesamt
1 – 9963072,712.3280,3
100 – 99911713,525.1880,5
1.000 – 9 999212,462.1841,3
10.000 – 19.999151,7214.0964,5
20.000 und mehr839,64.405.47793,4
Insgesamt8661004.719.273100

Neben der herkömmlichen Kurzmast mit einer Mastdauer von rd. 32 Tagen erzeugen Betriebe auch Hähnchen nach alternativen Mastverfahren gemäß den einschlägigen EU-Vermarktungsnormen. Vorwiegend kleinere Mastbetriebe mit Möglichkeit zur Auslaufhaltung stellen auf Erzeugung nach ökologischen Richtlinien um. Auch größere Schlachtereien reagieren auf die zunehmende Nachfrage von Handel und Verbrauchern nach Bioware und nehmen entsprechende Produkte in ihr Angebot auf.

Höhere Mastendgewichte erhalten für die Vermarktung von Teilstücken eine gewisse Bedeutung.

Truthahnerzeugung

Nach der Viehzählung von 2007 hielten 435 bayerische Betriebe insgesamt 760 986 Truthühner.

In 67 Betrieben in der Bestandsgröße mit 250 und mehr Tieren werden rd. 99 % der bayerischen Puten erzeugt. Schwerpunkte der Putenhaltung sind Oberbayern, das westliche Mittelfranken und Schwaben.

Der Selbstversorgungsgrad liegt in Deutschland bei 76 % (Stand 2008) bzw. in Bayern bei zirka 40 %.

Gänse- und Entenmast

Enten und Gänse sind überwiegend Saisongeflügel. Dies erschwert die statistische Erfassung. Bei Enten ist jedoch zunehmend eine ganzjährige Nachfrage zu verzeichnen.

Laut Viehzählung 2007 werden in 971 Betrieben 11 409 Gänse gehalten. In den 2 196 Entenhaltungen wurden 252 939 Tiere angegeben. Die Anfang Mai erfassten Gänse und Enten entsprechen jedoch bei weitem nicht der tatsächlich in Bayern erzeugten Zahl, da die Gänse- und Entenküken der Direktvermarkter zumeist erst nach dem Stichtag der Viehzählung auf die Betriebe kommen.

In der bayerischen Entenerzeugergemeinschaft haben 2009 12 Mäster insgesamt 5,1 Mio. Enten gemästet.

Der Verzehr liegt bei Entenfleisch bei 1,1 kg und bei Gänsefleisch bei 0,3 kg pro Kopf.