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http://www.agrarbericht-2010.bayern.de/landwirtschaft-laendliche-entwicklung/getreide-allgemein.html

Getreidemarkt

Trotz regionaler Unterschiede ist die Qualität der bayerischen Getreideernte 2009 als gut bzw. deutlich über dem langjährigen Durchschnitt einzustufen. Es gab kaum Auswuchs oder sonstige Qualitätsbeeinträchtigungen und Mykotoxinbelastungen.

Nach der euphorischen Stimmung noch zu Beginn des Jahres 2008 mit Nettoerzeugerpreisen für Brotweizen von 24 bis 25 € je Dezitonne brachen die Preise ein. Sie lagen zum Jahresende 2008 um über 50 % niedriger als im Januar. Ursache für diesen starken Preisrückgang waren europa- und weltweit ausgezeichnete und reichliche Ernten.

Die Erzeugung lag nach 2007 auch 2008 wieder über den Verbrauch. Die weltweite Finanzkrise und die daraus folgenden Turbulenzen für die Wirtschaft haben zu großen Verwerfungen auf den Märkten für Energie, Rohstoffe und Nahrungsgrundstoffe geführt.

Im laufenden Wirtschaftsjahr (WJ) 2009/2010 sanken die Getreidepreise auf allen Märkten aufgrund weltweit hoher Ernten und der krisenbedingt noch verhaltenen Nachfrage weiter. Brotweizen notierte auf der Münchner Warenbörse Mitte September 2009 mit 115 bis 120 € je Tonne im Vergleich zu 255 bis 260 € je Tonne Ende Januar 2008. Die Entwicklung auf dem Weltmarkt bestimmt zunehmend den regionalen Markt. Volatile Preise und Spekulation beeinflussen die internationalen Getreidenotierungen zunehmend.

Notierungen der bayerischen Warenbörse München (Großhandelsverkaufspreise) und Interventionspreise (staatliche Ankaufspreise) für Brotgetreide (in €/t, ohne MwSt.)

Jahr (jeweils Monat September)Notierung WeizenInterventionspreis WeizenDifferenz WeizenNotierung RoggenInterventionspreis RoggenDifferenz Roggen
2000127,18110,2516,93127,04110,2516,79
2001120,17101,3118,86110,57101,319,26
2002114101,3112,69108,5101,317,19
2003138,88101,3137,57133,38101,3132,07
2004101,8101,310,4987,51)1)
2005102,13101,310,821051)1)
2006139,66101,3138,35153,751)1)
2007251101,31149,69237,51)1)
2008166101,3164,69154,51)1)
2009108,25101,316,9498,751)1)

1) Ab Getreidewirtschaftsjahr 2004/2005 Abschaffung der Roggenintervention.

Netto-Erzeugerpreise für Getreide in Bayern in €/dt und relativ zu Mahlweizen (Preise ohne MwSt.)

Getreidewirtschaftsjahr Mahl-weizen Netto Brot-roggen Netto Brot-roggen Relativ Futter-gerste (Winter-gerste, zwei-zeilig) Netto Futter-gerste (Winter-gerste, zwei-zeilig) Relativ Brau-gerste1) (freie Ware) Brau-gerste1) (freie Ware) Futter-hafer Netto Futter-hafer Relativ Körner-mais Netto Körner-mais Relativ
2000/2001 11,01 10,70 97,2 10,29 93,5 13,43 122,0 9,67 87,8 11,03 100,2
2001/2002 10,69 9,70 90,7 9,45 88,4 13,46 125,9 9,91 92,7 10,79 100,9
2002/2003 9,85 8,93 90,7 8,68 88,1 11,88 120,6 8,47 86,0 10,47 106,3
2003/2004 12,66 11,10 87,7 10,94 86,4 12,18 96,2 9,93 78,4 13,43 106,1
2004/2005 9,02 7,39 81,9 8,58 95,1 10,44 115,7 7,70 85,4 9,11 101,0
2005/2006 9,19 8,83 96,1 9,08 98,8 10,34 112,5 7,74 84,2 10,26 111,6
2006/2007 12,42 12,36 99,5 11,09 89,3 13,74 110,6 10,63 85,6 13,97 112,5
2007/2008 20,43 18,36 89,8 17,78 87,0 23,84 116,7 17,31 84,7 20,79 101,8
2008/2009 13,30 12,32 92,6 13,30 100 17,53 85,8 13,46 101,2 12,13 91,2
2009/20102) 10,22 8,47 82,9 8,59 84,1 10,91 106,8 9,45 92,5 11,26 110,2

1) Vertragspreisempfehlungen (€/dt, Durchschnitt von Nord- und Südbayern): 2000/2001: –, 2001/2002: 13,17, 2002/2003: 12,75, 2003/2004: 13,00, 2004/2005: –, 2005/2006: –, 2006/2007: 10,88, 2007/2008: 16,13., 2008/2009: –, 2009/2010: –.

2) Preisstand auflaufend Januar 2010.

Der Sommergerstenanbau wurde von 148 500 ha im Jahr 2008 auf 125 000 ha im Jahr 2009 verringert. Auf der geringeren Fläche wuchs mit einem um 9 % über dem mehrjährigen Durchschnitt liegenden Hektarertrag von 49,8 Dezitonnen eine qualitativ gute Ernte 2009 mit niedrigen Eiweißwerten und hohen Vollgerstenanteilen auf. Das verwertbare Braugerstenaufkommen aus bayerischer Erzeugung wird auf etwa 400 000 Tonnen geschätzt. Bei einem Bedarf von ca. 630 000 Tonnen ist eine übergebietliche Zufuhr von 200 000 bis 230 000 Tonnen Braugerste notwendig, die aus Europa ohne Probleme gedeckt werden kann. Der Braugerstenüberschuss schlägt sich massiv auf die Preise nieder. Erzeugerpreise Mitte September 2009 von 10 € je Dezitonne lassen einen weiteren Rückgang des Anbaus erwarten. Um ein Mindestmaß an Braugersten- und Malzversorgung aus der Region zu gewährleisten, sind neue Formen der Zusammenarbeit innerhalb der Wertschöpfungskette Bier zwischen Erzeugern, Landhandel, Mälzer und Brauer erforderlich. Ziel muss dabei ein breit angelegter Risikoausgleich zwischen allen Beteiligten sein.

Durchschnittliche Notierungen für Braugerste der bayerischen Warenbörsen München und Würzburg (Großhandelsverkaufspreise, Durchschnitt August mit Dezember in €/t, ohne MwSt.)

JahrWarenbörse MünchenWarenbörse Würzburg
2000168,65169
2001157,62154,98
2002148,3151
2003146,51149,56
2004121,85121,58
2005130,92130,26
2006153,331)177,001)
2007310,001)320,001)
2008182,53176,92
2009117,42117,02

1) Nur Monat September.

Marktleistung der bayerischen Getreidearten

Getreidewirtschaftsjahr (GWJ)WeizenRoggenSommergerste (Braugerste)1)FuttergersteHaferTriticaleKörnermaisGetreide insgesamt
Verkäufe in 1.000 t
2000/20011.82819150737644895473.582
2001/20022.135203516531511154814.032
2002/20032.00318847245446946163.873
2003/20041.36410144829150455742.873
2004/20052.12017755841658885583.974
2005/20061.7559838634043534603.135
2006/20071.7619533536634494013.042
2007/20081.85313732829933565313.238
2008/20091.64114131131927365823.058
Verkäufe der Erntemengen in %
2000/20015575782217185847
2001/20026582762820235652
2002/20036589742622226152
2003/20045384512219145844
2004/20055368622223174644
2005/20065363522221154442
2006/20075261512320144342
2007/20085264551821135442
2008/2009435647191894237

1) Einschließlich Winterbraugerste. Verkäufe der Erntemengen in % mit den übrigen Getreidearten nicht ganz vergleichbar.

Getreideverkäufe der Landwirte, Intervention

Die bayerischen Landwirte verkauften nach den Ergebnissen der Marktordnungswaren-Meldeverordnung im WJ 2008/2009 3,1 Mio. Tonnen bzw. 37 % des geernteten Getreides. Gegenüber den Vorjahren ist der Verkaufsanteil um rd. 5 % niedriger. Offensichtlich haben die Landwirte in der Hoffnung auf bessere Preise ihr Getreide zurückbehalten. Für das laufende WJ 2009/2010 dürfte nach bisherigem Marktverlauf die Verkaufsmenge bei schätzungsweise 3,2 bis 3,4 Mio. Tonnen liegen.

Anders als in den Vorjahren ohne Interventionsandienung wurden im WJ 2008/2009 in Deutschland wieder 142 000 Tonnen (Bayern: 800 Tonnen) in die Intervention gegeben. Im laufenden WJ 2009/2010 wurde bis Ende Februar 2010 eine knappe Million Tonnen Getreide, vor allem Gerste (Bayern: 1 500 Tonnen) angedient.

 

Mischfutterherstellung

Die gewerbliche Mischfutterherstellung ging im WJ 2008/2009 gegenüber dem Vorjahr um 2,6 % auf 1,68 Mio. Tonnen leicht zurück. Der Getreideanteil mit 30,5 % stieg nach einem leichten Rückgang wieder über die 30-%-Marke.

Mischfutterherstellung in Bayern (in 1.000 t)

Getreidewirtschaftsjahr Herstellungsmenge Getreideverarbeitung Getreideanteil im Mischfutter in % Bayern Getreideanteil im Mischfutter in % Bund
2000/2001 1.763 408 23,1 37,7
2001/2002 1.710 438 25,6 41,3
2002/2003 1.720 464 27,0 43,0
2003/2004 1.719 448 26,1 42,0
2004/2005 1.604 468 29,2 45,0
2005/2006 1.652 481 29,1 45,0
2006/2007 1.701 521 30,6 45,8
2007/2008 1.725 493 28,6 43,7
2008/2009 1.681 512 30,5 46,6