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http://www.agrarbericht-2010.bayern.de/landwirtschaft-laendliche-entwicklung/naturschutz-und-biodiversitaet.html

Naturschutz und Biodiversität

Naturschutz und Biodiversität sowie die Wildlebensraumverbesserung rücken in Bayern, Deutschland und vielen europäischen Ländern in das Zentrum der Förderpolitik. Eine flächige Umsetzung naturverträglicher und klimaangepasster Landnutzungen ist dabei ebenso von Bedeutung, wie die kleinräumigen und punktuellen naturschutzfachlichen Maßnahmen. Ziel ist der Erhalt bzw. die Steigerung der Biodiversität und die Verbesserung des Wildlebensraumes.

Den Schwerpunkt der Maßnahmen bildet auf Seiten der Landwirtschaft das Bayerische Kulturlandschaftsprogramm (KULAP). Dort werden gesamtbetriebliche Maßnahmen für den ökologischen Landbau, betriebszweigbezogene Extensivierungen und Fruchtfolgevorgaben sowie einzelflächenbezogene Maßnahmen angeboten. Spezielle Bewirtschaftungsformen zum Erhalt der Kulturlandschaft und investive Maßnahmen wie die Pflege von Hecken runden das KULAP in Bayern ab.

Mit dem Bayerischen Vertragsnaturschutzprogramm einschl. Erschwernisausgleich (VNP/EA) fördert das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit besonders naturschonende landwirtschaftliche Bewirtschaftungsmaßnahmen, die dem Erhalt, der Pflege und der Verbesserung ökologisch wertvoller Lebensräume für seltene und im Bestand gefährdete heimische Tier- und Pflanzenarten dienen. Einen Schwerpunkt im VNP/EA bildet der Erhalt ökologisch wertvollen Grünlands sowie von Äckern mit besonderer Artenschutzfunktion. Daneben wird der Erhalt von Streuobswiesen und -äckern sowie von ökologisch wertvollen Teichen gefördert.

Einen Überblick zu den Leistungen der Landwirtschaft zur Erhaltung der Biodiversität liefert die Broschüre "Stärkung der natürlichen Vielfalt - Beitrag der Land- und Forstwirtschaft zur Biodiversität in Bayern".

Agrarökologische Konzepte und Blühflächen

Durch agrarökologische Konzepte und die Ansaat von Blühmischungen wird die Biodiversität in Bayern nachhaltig gefördert. In der Praxis zeigt sich augenscheinlich, dass viele Tiergruppen der Offenlandschaft von diesen Maßnahmen profitieren. Durch diese Maßnahmen entstanden 2009 mit deutlich zunehmender Tendenz ca. 6 000 ha Blühflächen gut verteilt in der bayerischen Agrarlandschaft.

Die Aktion „Streuobst 2000 Plus“

Streuobstwiesen sind Lebensraum für wertvolle Tier- und Pflanzenarten. Die Vielzahl der Obstsorten ist ein unschätzbares Reservoir genetischer Vielfalt. Mit der Aktion „Streuobst 2000 Plus“ fördert die bayerische Landwirtschaftsverwaltung den Streuobstanbau in Bayern.

Heckenpflege

Hecken sind wesentlicher Bestandteil der Kulturlandschaft und ein prägendes Landschaftselement. Aufgrund ihrer Struktur tragen sie in besonderer Weise zur biologischen Vielfalt und Vernetzung von Biotopen bei. Sie sind Lebensraum für eine Vielzahl an Pflanzenarten sowie Brut-, Nahrungs- und Rückzugsraum für viele Tierarten in agrarisch genutzten Landschaften.

Die Förderung der Heckenpflege sichert eine naturraum- und regionaltypische biologische Vielfalt sowie eine agrarisch geprägte Flora und Fauna. Gleichzeitig wird dadurch die Vielfalt und Schönheit eines intakten, funktionsfähigen und traditionellen Landschaftsbildes erhalten.

Grünlandmonitoring

Mit dem Projekt „Grünlandmonitoring Bayern“ schafft die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) eine flächendeckende und detaillierte Datenbasis zur bayerischen Grünlandvegetation. Von 2002 bis 2008 wurden landesweit über 6 000 Vegetationsaufnahmen erstellt. Daraus geht unter anderem hervor, dass in unseren Wiesen ca. 20 Pflanzenarten (Stichprobenflächen von jeweils 25 m2) gefunden werden können. Außerdem konnte gezeigt werden, dass KULAP-Maßnahmen zu einer Erhöhung der Artenzahlen geführt haben.

Vegetationskundliche Erhebungen im Boden-Dauerbeobachtungsprogramm

Vegetationskundliche Erhebungen stellen einen wichtigen Teil des Boden-Dauerbeobachtungsprogrammes der LfL dar, denn sie können Veränderungen des Bodenzustandes anzeigen. Seit 1985 wurde auf 133 Acker- und Grünlandflächen in Bayern die Vegetation erhoben. Während auf Ackerflächen die Biodiversität der Segetalflora nach wie vor zurückgeht, bleiben die Verhältnisse im Grünland stabil. Regenwürmer schaffen als wichtige Glieder der Agrarzoozönose günstige Bedingungen für eine Reihe anderer Lebewesen und wirken somit als Indikatoren der Biodiversität. Mit ihren Röhrensystemen als Lebensraum für nichtgrabende Bodentiere und ihrem Kot als Nahrungsgrundlage fördern sie das mikrobielle Bodenleben und die Mesofauna. Laufkäfern, Kleinsäugern und Vögeln dienen sie als Beute. Untersuchungen zum Regenwurmbesatz auf Acker-Dauerbeobachtungsflächen in Bayern zeigen steigende Regenwurm-Siedlungsdichten. Zunehmender Zwischenfruchtanbau und abnehmende Intensität durch pfluglose Bodenbearbeitung dürften die Hauptursachen sein.

Erfolgskontrolle Brucker Moos

Im Brucker Moos im Landkreis Ebersberg wurden durch den Landschaftspflegeverband Renaturierungsmaßnahmen durchgeführt, um Nasswiesen, Streuwiesen und Hochmoorflächen wieder in einen naturnäheren Zustand zu überführen. Als Erfolgskontrolle führt die LfL in dreijährigem Abstand auf 27 Dauerbeobachtungsflächen vegetationskundliche Aufnahmen durch. Ziel ist, die Entwicklung der Pflanzendecke seit 2003 zu dokumentieren und die Renaturierungsmaßnahmen zu bewerten.

Bisher haben sich Nass- und Streuwiesen zielkonform entwickelt, im Hochmoor sind die Verhältnisse noch unsicher, die weitere Entwicklung muss hier noch abgewartet werden.

Wiesenmeisterschaft

Im Jahr 2009 wurde erstmals eine „Wiesenmeisterschaft“ im Bayerischen Wald durchgeführt. Ziel dieser Maßnahme ist es, artenreichen Bauernwiesen als Kulturgut zu mehr öffentlicher Aufmerksamkeit zu verhelfen. Wichtig dabei ist es Landwirte auszuzeichnen, die den Aufwuchs arten- und blütenreicher Wiesen sinnvoll nutzen. Sie erbringen damit gleichzeitig eine wertvolle Leistung für die Allgemeinheit wie z. B. eine attraktive Kulturlandschaft.

33 landwirtschaftliche Betriebe aus fünf niederbayerischen Landkreisen hatten knapp 50 Grünlandstandorte für den Wettbewerb angemeldet, darunter allein 15 aus Freyung-Grafenau.

Im Jahr 2010 findet die Wiesenmeisterschaft in der Region Oberfränkischer Jura/Fränkische Schweiz statt.