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Rinder

In Bayern betrugen die Verkaufserlöse der Landwirtschaft aus Milch, Rind und Kalbfleisch im Jahr 2008 ca. 3,65 Mrd. €.

Der Strukturwandel setzt sich auch in der Milchviehhaltung weiter fort. Von 2008 bis 2009 gaben 3,5 % der Betriebe die Milchviehhaltung auf. Die Kuhzahl nahm im gleichen Zeitraum um 1,3 % ab. Von 1999 bis 2009 verringerte sich die Zahl der Milchkuhhalter um 35,7 %, die Zahl der Milchkühe sank im selben Zeitraum um 14,7 % (vgl. Tabellen).

Der Durchschnittskuhbestand lag im Jahr 2009 bei 28 Kühen (Deutschland: Ø 43,5 Kühe je Betrieb).

Entwicklung der Rinder- und Milchkuhhaltung in Bayern

Jahr Bestand 1000 Bestand %-Anteil am Bund Halter 1000 Halter %-Anteil am Bund Durchschnittsbestand Stück
Rinder insgesamt
1960 3.862 371 10,4
1970 4.323 278 15,5
1980 4.942 194 25,5
1990 4.814 24,7 138 34,9
19991) 4.050 27,3 89 37,6 45,5
20031) 3.764 27,6 75 37,7 50,4
20051) 3.587 27,5 70 38,1 51,4
20061) 3.490 27,4 67 38 52,2
20071) 3.445 27,2 65 37,8 53,42)
20084) 3.427 26,4 63 33,5 54,5
20094) 3.396 26,3 61 33,4 56,1
Milchkühe
1960 1.840 373 4,8
1970 1.927 266 7,2
1980 1.986 175 11,3
1990 1.809 28,5 119 15,2
19991) 1.454 32 68 44,4 21,5
20031) 1.327 30,3 57 46,7 23,4
20051) 1.274 30,1 52 47 24,6
20061) 1.232 30,2 50 47,2 24,7
20071) 1.229 30,2 48 47,9 25,43)
20084) 1.257 29,7 45 45,5 27,7
20094) 1.241 29,7 44 45,6 28,4

1) Viehzählung jeweils 03.05.

2) Ø-Bestand Bund: 74,4.

3) Ø-Bestand Bund: 40,2.

4) Ab 2008: Auswertung der HIT-Rinderdatenbank, eingeschränkte Vergleichbarkeit mit den Vorjahren.

Die Bestandsgrößenstruktur lässt sich mit der letzten Zählung im Jahr 2007 infolge der geänderten Datenerfassung nur bedingt vergleichen. Nach wie vor steht der größte Anteil der Milchkühe – knapp ein Drittel – in Beständen mit 30 bis 49 Kühen. Gegenüber der letzten Bestandsgrößenzählung 2007 ist der Anteil der Bestände mit 50 und mehr Kühen von 9,7 % auf 13,9 % im Jahr 2009 angestiegen. Dort stehen ein Drittel aller Milchkühe.

Milchkuhhalter und Zahl der Milchkühe nach Bestandsgrößen

Bestandsgrößen von . . . bis . . . (Stück)Zahl der Betriebe 2007Zahl der Betriebe 2009Zahl der Tiere 2007Zahl der Tiere 2009
Anzahl der Betriebe bzw. Tiere
1 – 98.4566.84745.61837.692
10 – 1912.73910.506184.558153.026
20 – 2911.3909.770274.911238.193
30 – 4911.20210.533419.460398.939
50 – 994.5275.713281.829366.202
100 oder mehr18236923.02246.782
Bayern48.49643.7381.229.3981.240.834
%-Anteile
1 – 917,415,73,73,0
10 – 1926,324,015,012,3
20 – 2923,522,322,419,2
30 – 4923,124,134,132,2
50 – 999,313,122,929,5
100 oder mehr0,40,81,93,8
Bayern100100100100

Die Mutterkuhhaltung bietet sich insbesondere für ausscheidende Milcherzeuger als Alternative für die Grünlandnutzung an. Statistisch erfolgt nur die Erfassung sog. „sonstiger Kühe“. Nach dem Ergebnis der Viehzählung von 2009 wurden 81 009 sonstige Kühe in 9 974 Betrieben gehalten. Die durchschnittliche Bestandsgröße liegt demnach bei 8 Kühen je Betrieb. Die Anzahl sonstiger Kühe ist gegenüber dem Jahr 2008 um 2,5 % zurückgegangen, die der Haltungen im gleichen Zeitraum um 5,6 %.

Im Jahr 2009 wurden in Bayern rd. 376 000 männliche Rinder (ab 8 Monaten) gehalten.

Mastbullenhalter und Zahl der männlichen Rinder (ab 6 Monate) nach Bestandsgrößen

Bestandsgrößen von . . . bis . . . (Stück)Zahl der Betriebe 2005Zahl der Betriebe 2007Zahl der Tiere 2005Zahl der Tiere 2007
Anzahl der Betriebe bzw. Tiere
1 – 921.91118.10870.56057.866
10 – 196.7125.98093.62183.219
20 – 292.8992.64567.57162.996
30 – 491.7321.83964.18669.470
50 – 991.3481.32994.56793.202
100 oder mehr62963295.93096.188
Bayern35.97130.533486.435462.941
%-Anteile
1 – 962,359,314,512,5
10 – 1919,119,619,218,0
20 – 298,18,713,913,6
30 – 494,96,013,215,0
50 – 993,84,419,420,1
100 oder mehr1,82,119,720,8
Bayern100100100100

Die Bedeutung der organisierten Rinderhalter hat weiter zugenommen. Insgesamt waren 27 000 Betriebe mit über 962 000 Kühen in der Leistungsprüfung organisiert. In Bayern waren am Ende des Prüfjahres 59 % aller Milchviehhalter mit 77 % aller Milchkühe dem Landeskuratorium der Erzeugerringe für tierische Veredelung in Bayern e. V. (LKV) angeschlossen. Im Jahr 2009 waren 27 385 Betriebe in der Milchleistungsprüfung (MLP-Betriebe).

Das Serviceangebot des LKV in der Qualitäts- und Leistungsprüfung sowie in der Verbundberatung ist aufgrund der gestiegenen ökonomischen und qualitativen Anforderungen von zunehmender Bedeutung. Der durchschnittliche Kuhbestand in den MLP-Betrieben hat im Zeitraum 2007 bis 2009 um 2 Kühe zugenommen. Derzeit werden in den MLP-Betrieben durchschnittlich 35,4 Kühe gehalten.

Die Durchschnittsleistung der MLP-Kühe ist von 2007 bis 2009 um 74 kg auf 7 035 kg Milch angestiegen, nachdem im Jahr 2008 keine Leistungssteigerung realisiert werden konnte. Besonders hervorzuheben ist das nahezu unverändert hohe Niveau bei den Inhaltsstoffen.

Im Milchviehbereich nimmt die Laufstallhaltung weiter zu. Die Hälfte der Kühe unter Milchleistungsprüfung stehen in Laufstallbetrieben. Über ein Drittel der MLP-Betriebe (37,6 %) haben Laufställe. Tierfreundliche Außenklimaställe setzen sich dabei immer stärker durch. Sie haben derzeit einen Anteil von 30,8 %.

Im Jahr 1997 wurden die ersten automatischen Melksysteme (Melkroboter) in bayerischen Milchviehherden in Betrieb genommen. Zum Ende des Berichtszeitraumes waren 411 bayerische Milchviehhalter mit einem automatischen Melksystem der Milchleistungsprüfung angeschlossen.

Der Organisationsgrad der spezialisierten Rindfleischerzeuger liegt niedriger als in der Milchviehhaltung. Zum Stand 30. Juni 2009 waren 1 008 Betriebe mit 112 493 Masttieren den Fleischerzeugerringen im LKV angeschlossen. Die täglichen Zunahmen der Rasse Fleckvieh betrugen im Jahr 2009 durchschnittlich bei Mast ab Kalb 1 264 g, bei Mast ab Fresser 1 280 g sowie 1 131 Gramm in der Fressererzeugung.

Die Zuchtprogramme der verschiedenen in Bayern gehaltenen Rinderrassen werden von den Zuchtverbänden in Zusammenarbeit mit den Besamungsstationen, dem LKV und der staatlichen Beratung entwickelt und durchgeführt. Ziel der Zuchtprogramme ist es, die genetische Leistungsveranlagung zu verbessern und dadurch den wirtschaftlichen Erfolg der Rinderhaltung zu steigern. Zur Gewährleistung des Zuchtfortschritts werden neben der künstlichen Besamung auch andere biotechnische Methoden, wie z. B. der Embryotransfer, angewandt. Auch gendiagnostische Verfahren, z. B. zur Feststellung von Erbfehlern, finden in der Rinderzucht eine immer stärkere Anwendung. Die Genomische Selektion als zusätzliche Methode der Leistungsprüfung und Zuchtwertschätzung wurde im Berichtszeitraum weiter entwickelt und ist im Begriff, den Zuchtfortschritt zu forcieren.

Stand und Ergebnisse der Milchleistungsprüfung

Jahr Betriebe1) Kühe1) Milch in kg2) Fett in %2) Fett in kg2) Eiweiß in %2) Eiweiß in kg2)
1980 43.465 831.931 4.839 3,96 191 3,44 167
1990 43.370 994.636 5.294 4,05 214 3,39 179
2000 35.696 1.039.042 6.192 4,12 255 3,49 216
2005 31.254 987.749 6.711 4,15 278 3,50 235
2006 30.187 969.019 6.788 4,15 282 3,48 236
2007 29.197 977.035 6.961 4,13 287 3,50 243
2008 28.446 983.194 6.946 4,15 288 3,49 242
2009 27.385 969.959 7.035 4,15 292 3,48 245
Nach Rassen 2009
Fleckvieh 21.706 761.207 6.914 4,14 286 3,48 241
Braunvieh 4.093 138.575 7.044 4,22 297 3,58 252
Gelbvieh 122 2.560 5.688 4,22 240 3,52 200
Schwarzbunte 1.267 60.913 8.185 4,11 336 3,37 276
Rotbunte 99 4.491 7.773 4,20 326 3,42 266

1) Stand der MLP (jeweils 30.09.)

2) Durchschnittsleistung aller geprüften Kühe (Zeitraum 01.10. – 30.09.)

In Bayern sind zehn staatlich zugelassene Besamungsstationen beim Rind tätig. Von 2007 auf 2009 ging die Zahl der Erstbesamungen um 3,0 % zurück. Im Jahr 2009 wurden 93,5 % aller deckfähigen Rinder künstlich besamt. Der Anteil der Prüfbullenbesamungen lag bei 19,9 %. Die restlichen Besamungen wurden mit bereits geprüften Bullen durchgeführt, wobei mit dem Samen von 28 Bullen jeweils mehr als 10 000 Erstbesamungen durchgeführt wurden.

Entwicklung der Rinderbesamung

Jahr Anzahl der eingesetzten Bullen Erst-besamungen Davon %-Anteil Fleckvieh Davon %-Anteil Braunvieh Davon %-Anteil Gelbvieh Davon %-Anteil Schwarz-bunte Davon %-Anteil Fleisch-rinderrassen Davon %-Anteil Sonstige Rassen
1960 795 770.287 74,2 14,6 9,6 1,6
1970 1.345 1.709.657 75,6 12,7 6,8 3,3 1,6
1980 1.672 2.399.656 78,7 13,1 3,9 3,3 1,0
1985 1.644 2.500.669 80,7 12,3 3,0 3,2 0,1 0,7
1990 1.401 2.351.078 82,8 11,0 2,1 2,6 1,1 0,4
1995 1.543 2.152.893 82,0 11,0 1,3 3,1 1,9 0,7
2000 1.806 1.949.120 81,1 9,8 0,7 4,2 3,3 0,9
2005 1.914 1.807.888 80,3 8,8 0,5 4,8 4,2 1,5
2006 1.968 1.766.900 80,1 9,0 0,4 4,8 4,2 1,5
2007 2.043 1.740.727 80,6 9,3 0,4 4,6 3,7 1,4
2008 2.022 1.723.064 80,8 9,7 0,4 4,9 2,8 1,4
2009 2.014 1.688.313 80,9 9,4 0,4 4,9 2,9 1,5

Der Embryotransfer hat sich im Rinderbereich bereits etabliert. Zum 1. Januar 2008 waren 25 Embryotransfereinrichtungen staatlich anerkannt. 9 davon waren aktiv tätig und haben im Jahr 2008 bei 552 Spendertieren 776 Spülungen durchgeführt. 70 % der Übertragungen entfielen auf die Rasse Fleckvieh, 12 % auf die Rasse Braunvieh, 15 % auf die Rasse Holstein und 3 % auf die Rasse Gelbvieh. Ab dem Jahr 2009 werden Daten über den Umfang des Embryotransfers nicht mehr erfasst.

Entwicklung des Embryotransfers in Bayern

Jahr Spendertiere Spülungen Gesamt Gesamt1) Ø pro Spülung1) Frisch2) Aufgetaut2) Gesamt2)
1991 730 769 4.011 5,2 1.362 1.278 2.640
2000 1.355 1.547 15.730 10,2 4.650 5.439 10.089
2005 762 953 9.092 9,5 2.700 3.809 6.509
2006 683 880 7.896 9,0 1.930 3.974 5.904
2007 656 793 7.415 9,4 1.991 4.309 6.300
2008 552 776 7.258 9,4 1.426 3.749 5.175

1) Gewinnung von Embryonen (transfertauglich).

2) Übertragung von Embryonen.

Zuchtviehabsatz an den Zuchtviehmärkten

JahrVerkaufte Tiere1)Umsatz in Mio. €
197047.30226,3
1980186.28197,6
1990222.822124,5
1995235.695121,9
2000244.602122,6
2005244.976118,8
2006251.436132,0
2007256.002132,2
2008250.718124,2
2009240.687116,2

1) Einschließlich Kälber.

Entwicklung des Zuchtviehexportes

JahrAnzahl exportierte Tiere%-Anteil exportierte Tiere der verkauften Tiere (jeweils ohne Kälber)
19702.43010,3
19803.1038,5
19909.19322,9
199518.35340,9
200011.15231,0
20057.83823,3
20068.19025,9
200713.65337,1
200811.23930,3
20096.63420,6

Im Jahr 2009 wurden deutlich weniger Rinder exportiert als in den Vorjahren. Während 2008 noch 11 239 bayerische Zuchtrinder in Drittländer exportiert werden konnten, gingen 2009 nur 6 634 Zuchttiere in 23 Länder, was einem Exportanteil von 20,6 % (ohne Kälber) entspricht. Hauptabnehmerländer waren Italien mit 1 355, Algerien mit 1 355 und Russland mit 735 Tieren. Die wesentlichen Gründe für den Rückgang im Export waren die Finanz- und Wirtschaftskrise in den Abnehmerländern und die Problematik der Blauzungenkrankheit.

Zuchtviehabsatz und Preisentwicklung

GattungVerkaufte Tiere 2009Erzielter Ø-Preis 2009 in €Preisveränderung gegenüber 2008 in €
Bullen2.3282.287162
Kühe2.1991.142–139
Jungkühe14.5271.344–155
Kalbinnen7.5511.187–53
Jungrinder4.485660–41
Zuchtkälber, männlich1.14665917
Zuchtkälber, weiblich12.144315–55
Nutzkälber, männlich180.24537722
Nutzkälber, weiblich15.0022468
Fresser1.06065334
Gesamt240.687