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http://www.agrarbericht-2010.bayern.de/landwirtschaft-laendliche-entwicklung/tiergesundheitsstrategie.html

Tiergesundheitsstrategie

Tiergesundheit bedeutet nicht allein die Freiheit von Krankheiten, sie ist auch ein Eckpfeiler für die Lebensmittelsicherheit, die öffentliche Gesundheit und den Verbraucherschutz, da nur gesunde Tiere gesunde Nahrungsmittel liefern. Die aktuelle bayerische Tiergesundheitspolitik findet ihre Parallele in der Politik der EU-Kommission. Die EU sieht ebenso wie der Freistaat Bayern im Bereich der Gesundheit landwirtschaftlicher Nutztiere inzwischen eine Priorität für öffentliche Investitionen.

In einer globalisierten Herstellung, Verarbeitung und Verteilung von Lebensmitteln werden höhere Anforderungen an die Tiergesundheit gestellt. Eine Schwachstelle in der Produktionskette kann unübersehbare Folgeschäden nach sich ziehen (z. B. großräumige Sperrmaßnahmen nach Tierseuchenausbruch, Rückrufaktionen bei unsicheren Lebensmitteln). Eine professionelle Beratung und angewandte Forschung ist hierfür unerlässlich. Mit verschiedenen Qualitätssicherungssystemen versucht die Wirtschaft, ein Anreizsystem für eine kontinuierliche Verbesserung der Tiergesundheit zu schaffen. Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF) unterstützt mit dem Qualitäts- und Herkunftssicherungsprogramm „Geprüfte Qualität – Bayern“ (vgl. Förderung der regionalen Vermarktung) diesen Weg.

Gesundheitsmonitoring beim Rind

Auf Initiative des StMELF und der Bayerischen Landestierärztekammer wurde im September 2009 das Projekt „Gesundheitsmonitoring beim Rind“ ins Leben gerufen. Ziel dieses freiwilligen Projekts ist es, Gesundheit und Langlebigkeit der Rinder zu verbessern.

Durch die Verknüpfung tierärztlicher Diagnosen mit Milchleistungs- und Zuchtdaten, die für jede einzelne Kuh vorliegen, werden sogenannte Gesundheitszuchtwerte errechnet. Sie geben Auskunft über die Anfälligkeit der Tiere z. B. für Eutererkrankungen oder Fruchtbarkeitsstörungen und sind Grundlage für Zuchtentscheidungen.

Gesundheit und Wohlbefinden landwirtschaftlicher Nutztiere; vorbeugender, gesundheitlicher Verbraucherschutz

Wesentlicher Bestandteil der bayerischen Tiergesundheitsstrategie ist die Durchführung am Gemeinwohl orientierter Tiergesundheitsprojekte. Diese Projekte umfassen u. a.

  • die Verbesserung der Biosicherheit,
  • Erfassung gesundheitsrelevanter Daten in den Tierbeständen,
  • Diagnostik und Ermittlung von Krankheitsursachen auch durch vermehrte Sektionen und pathologisch-anatomische Untersuchungen,
  • Verbesserung der Eutergesundheit und der Milchhygiene sowie
  • Erarbeitung von Diagnostik- und Bekämpfungsmaßnahmen neuer und erneut auftretender Krankheiten.

Die Erkenntnisse aus diesen Projekten werden durch eine intensive Informations- und Öffentlichkeitsarbeit sowohl Tierhaltern als auch Tierärzten sowie der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Impfung gegen die Blauzungenkrankheit

Im Jahr 2009 wurde die Impfung gegen die Blauzungenkrankheit verpflichtend fortgeführt. Die Kampagne war sehr erfolgreich: Nach 281 Fällen in Bayern im Jahre 2007 waren in 2009 nur noch fünf Ausbrüche zu verzeichnen. Bundesweit war ein Rückgang von weit über 20 000 Ausbrüchen in 2007 auf nur noch 142 in 2009 feststellbar (Quelle: BMELV). Der Freistaat hat die Impfung durch Bereitstellung zusätzlicher Mittel für die Tierseuchenkasse und die Beschaffung des Impfstoffes unterstützt. Nachdem nun aufgrund gemeinsamer Anstrengung eine Impfdecke von ca. 80 % erreicht wurde, konnte die Verantwortung für die Durchführung wieder in die Hände der Tierhalter gelegt werden. Auch in den kommenden Jahren sollten Tierhalter allerdings die Impfung weiter konsequent durchführen, um das Virus aus den Beständen zu verdrängen.

Bekämpfung von BHV1

Erhebliche Anstrengungen von Tierhaltern und Staat waren auch erforderlich, um die Bekämpfung des bovinen Herpesvirus (BHV1) in Bayern auf den nun erreichten Stand voranzubringen. Nachdem bereits 2007 die Regierungsbezirke Oberfranken und Oberpfalz von der EU als „frei“ von dieser Tierseuche anerkannt wurden, steht in 2010 die Beantragung für weitere vier Regierungsbezirke an. In 2011 soll Bayern zur Gänze BHV1-freies Gebiet sein. Damit ist Bayern Vorreiter in Deutschland.

Bekämpfung der BVD

Ab 2011 steigt Deutschland in die Bekämpfung einer weiteren, verlustbringenden Tierseuche ein. Die bovine Virusdiarrhoe (BVD) soll aus den Beständen getilgt werden. In Bayern wird hier erstmals ein Weg beschritten, der auch Zeichen setzt in Bezug auf die Eigenverantwortung der Tierhalter und der Berufsorganisationen: Die Selbsthilfeeinrichtungen der Landwirtschaft, Tiergesundheitsdienst, LKV und Milchprüfring werden gemeinsam mit den Berufsverbänden die Logistik vom Versand der Probennahme-Materialien über den Transport der Proben zum Labor und die Dokumentation des Ergebnisses organisieren und den Tierhaltern in einem Dienstleistungspaket anbieten. Ziel ist eine möglichst effiziente und damit kostengünstige Abwicklung des Verfahrens.

Vorsorge gegen die Schweinepest

Die Schweinepest ist eine hochinfektiöse Tierseuche, die eine permanente Bedrohung aller im Bereich Schweinefleisch tätigen Unternehmen – Erzeuger, Schlachtbetriebe und Verarbeiter – darstellt. Wildschweine sind die Hauptüberträger der Schweinepest. Die zunehmenden Schwarzwildbestände erhöhen das Übertragungsrisiko dieser Tierseuche auf landwirtschaftliche Schweinebestände. Neben entsprechenden Hygienemaßnahmen in den landwirtschaftlichen Betrieben ist eine konsequente bayernweite Reduktion der Schwarzwildbestände erforderlich, um das Seuchenrisiko so klein wie möglich zu halten. Dazu startete die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft Anfang 2010 ein dreijähriges Projekt, bei dem gemeinsam mit den Verantwortlichen vor Ort spezifische Lösungsansätze zur Verringerung des Schwarzwildes erarbeitet und umgesetzt werden sollen.