Sprungmarken:

http://www.agrarbericht-2010.bayern.de/landwirtschaft-laendliche-entwicklung/vorbeugender-hochwasserschutz.html

Vorbeugender Hochwasserschutz

Maßnahmenpaket „Vorbeugender Hochwasserschutz durch Wasserrückhalt in der Fläche“

Das Maßnahmenpaket des StMELF lässt sich in folgende Maßnahmengruppen zusammenfassen:

  • Vermeidung von schnellem Abfluss des Oberflächenwassers,
  • Wasserablaufverzögerung in den Vorflutern,
  • Verzögerung des Abflusses von Bodenwasser,
  • Schaffung gewässerbegleitender Retentionsflächen,
  • Hochwasserrückhaltung durch waldbauliche Maßnahmen.

Diese Maßnahmen können im Rahmen von Verfahren der Ländlichen Entwicklung, der waldbaulichen Maßnahmen und im Rahmen des Bayerischen Kulturlandschaftsprogramms bzw. Bayerischen Vertragsnaturschutzprogramms gefördert und umgesetzt werden.

Die Flurneuordnung wird gezielt eingesetzt, um Rückhaltekonzepte in einem größeren Umfang in Zusammenarbeit mit der Wasserwirtschaftsverwaltung zu realisieren. Dazu wurde als wichtiger Baustein der Hochwasserschutzstrategie 2020 der Bayerischen Staatsregierung eine Förderung zum Wasserrückhalt in der Fläche an Gewässern dritter Ordnung vereinbart. Der Schwerpunkt des Beitrags der Ländlichen Entwicklung liegt bei dem Einsatz eines flächendeckenden Bodenmanagements (Landzwischenerwerb und gezielte Bodenordnung) sowie der Finanzierung von naturnahen Maßnahmen im Bereich der Gewässer dritter Ordnung und zur dezentralen Wasserrückhaltung in der Fläche.

Auch stabile, naturnahe Mischwälder leisten einen Beitrag für den Hochwasserschutz. Der oberflächliche Wasserablauf ist geringer und erfolgt langsamer als bei anderen Landnutzungsformen. Waldböden speichern in hohem Maße Niederschläge an Ort und Stelle. Waldbäche sind in der Regel nicht begradigt und fließen sehr langsam. Bach- und flussbegleitende Auwälder ertragen problemlos auch längere Überschwemmungen und sorgen wie ein Zwischenspeicher für einen langsamen Abfluss. Da dabei keine oder nur geringe wirtschaftliche Schäden entstehen, sind standortgemäße Auwälder eine landeskulturelle, ökonomische und ökologisch ideale Form der Landnutzung in Überschwemmungsbereichen.

Wichtige Maßnahmen zum Erhalt oder Ausbau dieser Schutzfunktionen sind z. B.

  • die Waldmehrung, v. a. in gering bewaldeten Regionen und Überflutungsbereichen,
  • die Erhaltung der Waldfläche allgemein,
  • der Umbau von Nadelbaum-Reinbeständen in stabile, naturnahe Mischwälder,
  • die Schutzwaldpflege und -sanierung im Hochgebirge,
  • im Staatswald die Revitalisierung von Auwäldern, Renaturierung von Mooren sowie Anlage von Tümpeln und Feuchtbiotopen.

Im Berichtszeitraum wurde mit der Umsetzung der im Klimaprogramm Bayern 2020 vorgesehenen Maßnahmen zum verstärkten Waldumbau und zur Stabilisierung des Bergwaldes (Bergwaldoffensive) begonnen. Beide kommen unmittelbar auch dem Hochwasserschutz zugute (vgl. Forstliche Maßnahmen zum Klimaschutz).

Das Forschungsprojekt im Frankenwald zum Einfluss der Baumartenwahl auf den Hochwasserschutz wurde erfolgreich abgeschlossen. Dabei konnte nachgewiesen werden, dass tiefgründig wurzelnde Baumarten, wie z. B. Buche und Bergahorn, auf mächtigen, aber schlecht wasserdurchlässigen Böden zur Retention mehr beitragen als Fichte.

Die abflussdämpfende Wirkung von Wald stößt bei sehr starken Niederschlägen allerdings auch an ihre Grenzen (Wassersättigung des Bodens). Angesichts der durch den Klimawandel tendenziell häufiger auftretenden Sturzregen, kann der Zeitgewinn durch die Retentionswirkung des Waldes für den Schutz von Leib und Leben sowie von Wirtschaftsgütern von entscheidender Bedeutung sein.

Nachhaltiger Hochwasserschutz

Die Hochwasserereignisse der vergangenen Jahre haben deutlich gemacht, dass sich der seit Jahrzehnten von der bayerischen Wasserwirtschaftsverwaltung geplante und ausgeführte Hochwasserschutz bewährt hat, aber auch langfristig konsequent fortgesetzt werden muss. Das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit (StMUG) hat hierzu das Programm „Nachhaltiger Hochwasserschutz in Bayern – Aktionsprogramm 2020 für das Donau- und Maingebiet“ entwickelt, das die Handlungsfelder natürlicher Rückhalt, technischer Hochwasserschutz und Hochwasservorsorge berücksichtigt. Das Programm leistet einen beachtlichen Beitrag zur nachhaltigen Kommunalentwicklung – auch unter Berücksichtigung erwarteter Klimaänderungen. Aktuell wird an über 400 Einzelabschnitten an Gewässern erster und zweiter Ordnung sowie an Wildbächen gebaut.

Beispiele sind der Hochwasserschutz für die Kommunen an der Donau im Bereich von Straubing bis Vilshofen in Niederbayern oder das Hochwasserschutzkonzept Coburg mit dem Goldbergsee in Oberfranken oder der Ausbau der Wildbäche Kanker in Garmisch-Partenkirchen in Oberbayern und der Gunzesrieder Ach in Blaichach in Schwaben. Für den Betrieb staatlicher Flutpolder werden regelmäßig land- und forstwirtschaftlich genutzte Grundstücke in Anspruch genommen. Grundsätze für faire Ausgleichs- und Entschädigungsleistungen für die Nutzung dieser Grundstücke sind in einem Positionspapier des StMUG zusammengefasst. Das Positionspapier ist mit dem StMELF und dem Staatsministerium der Finanzen sowie in wesentlichen Punkten mit dem Bayerischen Bauernverband abgestimmt.