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Gesamtwirtschaftliche Entwicklung

Konjunkturelle Lage in der Bundesrepublik und in Bayern

Die konjunkturelle Entwicklung der Jahre 2008 und 2009 stellte ein Novum in der Wirtschaftsgeschichte der Bundesrepublik Deutschland dar. Die Wellen der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise – ausgelöst durch das Platzen der amerikanischen Immobilienblase – führten im Berichtszeitraum auch die deutsche und die bayerische Wirtschaft in die schwerste Rezession der Nachkriegszeit. Im Jahr 2008 wuchs die Wirtschaftsleistung in Deutschland aufgrund eines starken ersten Quartals zwar noch real um 1,3 %, doch bereits seit dem zweiten Quartal 2008 musste die deutsche Wirtschaft immer stärkere Einbrüche bei Produktion, Auftragseingang und Umsatz verkraften. In der Summe schrumpfte das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2009 in Deutschland um historisch einmalige 5,0 %. In jeweiligen Preisen verringerte sich das BIP damit auf 2.404 Mrd. €.

Auch in Bayern waren die vergangenen zwei Jahre von den weltweiten konjunkturellen Turbulenzen geprägt. Im Jahr 2008 konnte Bayern nicht mehr ganz an die Erfolge der Vergangenheit anknüpfen und wuchs mit 1,2 % etwas weniger als Deutschland im Durchschnitt (Bund: 1,3 %). Für das Jahr 2009 entspricht der Rückgang der Wirtschaftsleistung in Bayern mit 5,0 % dem Rückgang auf Bundesebene.

Aufgrund seiner Exportorientierung wurde Deutschland stärker von der Krise getroffen. 2009 sank die reale Nachfrage des Auslands nach Waren und Dienstleistungen aus Deutschland um 14,7 %. Dies war der erste Rückgang der Nachfrage seit 1993. Da gleichzeitig die Importe preisbereinigt nur um 8,9 % zurückgingen, lieferte der resultierende Außenbeitrag, die Differenz zwischen Exporten und Importen, einen negativen Wachstumsbeitrag von –3,4 % (2008: –0,3 %). Vor allem aufgrund des starken Rückgangs bei der Ausfuhr von Waren (–18,4 %) verlor Deutschland im Jahr 2009 damit auch seine Spitzenposition in der Rangliste der weltweit größten Exportnationen an China.

Auch die Bruttoinvestitionen sanken nach drei dynamischen Jahren (2006 – 2008) im Jahr 2009 weit unter das Niveau von 2008 (–12,5 %). Maßgeblich zu diesem Rückgang beigetragen haben die erstmals seit 7 Jahren rückläufigen Ausrüstungsinvestitionen, die im Jahr 2009 mit –20,0 % regelrecht eingebrochen sind. Die Bauinvestitionen gingen dagegen – auch aufgrund der staatlichen Konjunkturprogramme – nur leicht um 0,7 % zurück.

Lediglich vom Konsum kamen 2009 positive Impulse. Preisbereinigt stiegen die privaten Konsumausgaben gegenüber dem Vorjahr um 0,4 %, die staatlichen Ausgaben sogar um 2,7 %. Der private Konsum profitierte dabei auch von dem stabilen Preisniveau. Der harmonisierte Verbraucherpreisindex als Maß für die Inflation lag 2009 bei nur 0,4 %, nach einem relativ starken Anstieg von 2,8 % im Jahr 2008. Vor allem aufgrund der hohen Ölpreise wurde damit im Jahr 2008 der 2-%-Referenzwert der Europäischen Zentralbank deutlich überschritten.

Der Einbruch bei Investitionen und Exporten erklärt auch den im Vergleich zu anderen Ländern starken Rückgang des BIP in Deutschland: Da in der Krise die Menschen üblicherweise zuerst an den Investitionen und hochwertigen Konsumgütern wie Autos sparen, waren Deutschland und Bayern, die sich auf die Produktion dieser Güter spezialisiert haben, stärker betroffen als andere Länder. Im Gegenzug profitierte Deutschland in der zweiten Jahreshälfte überproportional vom Anziehen der weltweiten Nachfrage, so lässt auch die Prognose für 2010 in Deutschland ein überdurchschnittliches Wachstum erwarten (z. B. IWF für Deutschland: +1,5 %; Euro-Zone: +1,0 %).

Gemessen an dem Ausmaß der Krise hat sich der Arbeitsmarkt in Deutschland und in Bayern 2009 außerordentlich robust gezeigt. Vor allem Bayern konnte dabei von der sehr positiven Entwicklung im Jahr 2008 profitieren. Mit einer Arbeitslosenquote von nur 4,2 % in 2008 herrschte in weiten Teilen quasi Vollbeschäftigung (Bund 7,8 %). Dies war der beste Wert seit der Wiedervereinigung. Auch die Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten lag mit 4,52 Mio. im Freistaat auf einem Allzeit-Hoch. Im Jahr 2009 stieg die Arbeitslosigkeit im Bayern trotz der Krise nur um 0,6 Prozentpunkte auf 4,8 %, den besten Wert aller Bundesländer. In Deutschland stieg die Quote auf 8,2 %. Dieser relativ moderate Anstieg in Bayern und im Bund ist auf ein sehr verantwortungsbewusstes Verhalten der Unternehmen und der Sozialpartner zurückzuführen. Über Kurzarbeit sowie tarifliche und innerbetriebliche Regelungen (wie z. B. Arbeitszeitkonten) konnten die Firmen einen großen Teil der Fachkräfte in den Betrieben halten. Die Unternehmen reagieren damit auch auf die in der letzen Rezession gemachte Erfahrung, dass es im Aufschwung immer schwierig wird, qualifizierte Fachkräfte zu finden.

Diese grundsätzlich positive Entwicklung am Arbeitsmarkt darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass im Jahr 2009 die Anzahl der von Kurzarbeit betroffenen Personen (gemäß Anzeigen der Betriebe) von knapp 900 000 im Jahr 2008 auf über 3,5 Mio. hochgeschnellt ist. Zusammen mit der nach wie vor geringen Kapazitätsauslastung des Verarbeitenden Gewerbes (laut ifo-Konjunkturtest zuletzt 72,9 % im Oktober 2009 für Bayern und den Bund) zeigt sich hier eine Hypothek für die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt in 2010.

Die hohen Ausgaben der öffentlichen Hand für die ansteigende Arbeitslosigkeit, die Kurzarbeit und die in ihrem Volumen historisch einmaligen Konjunkturprogramme hinterließen auch in den Öffentlichen Haushalten erhebliche Bremsspuren. Während die Ausgaben 2009 gegenüber 2008 um 5,0 % zunahmen, sanken die Einnahmen konjunkturbedingt um 2,2 %. Der gesamte Staatssektor, der sich aus Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherungen zusammensetzt, wies im Jahr 2009 ein Finanzierungsdefizit von 77,2 Mrd. € aus. Gemessen am BIP ergibt sich damit eine Defizitquote von 3,2 %. Nach einer Defizitquote von 0,0 % im Jahr 2008 wurde damit der Maastricht-Referenzwert von 3,0 % zum ersten Mal seit 4 Jahren wieder überschritten. Für 2010 wird krisenbedingt mit einer Defizitquote von 3,1 % gerechnet.