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http://www.agrarbericht-2010.bayern.de/wald-forstwirtschaft-jagd/forstliche-massnahmen-zum-klimaschutz.html

Forstliche Maßnahmen zum Klimaschutz

Der Klimawandel wird sich auf Wälder und Waldbesitzer massiv auswirken. Häufigere Stürme, Trockenheit und großflächige Borkenkäferschäden führen zu Preisverfall und Qualitätseinbußen der Hölzer und damit zu geschätzten Ertragsausfällen von jährlich ca. 250 Mio. €. Besonders trifft es die flach wurzelnde Fichte. Auf über 1 Mio. ha ist sie bisher der „Brotbaum“ der bayerischen Waldbesitzer.

Nur gesunde und stabile Wälder gewährleisten gleichzeitig Schutz vor Naturgefahren (z. B. Lawinen, Erosion und Hangrutsche, Abmilderung von Hochwasser durch Wasserrückhalt in der Fläche), Erholung und Rohstoffversorgung.

Aufgrund der langen Wachstumszyklen im Wald muss die notwendige Anpassung rechtzeitig, konsequent und mit langem Atem betrieben werden.

Das Klimakonzept der Forstverwaltung (vgl. Grafik zum Klimakonzept der Bayerischen Forstverwaltung) mit fünf fachlichen Schwerpunkten steht in enger Wechselwirkung mit zwei wesentlichen politischen Prozessen:

  • Im Klimaprogramm Bayern 2020 hat der Freistaat Ziele und Maßnahmen festgelegt und für die Jahre 2008 bis 2011 zusätzliche Mittel bereitgestellt (vgl. Forschung und Entwicklung).
  • Mit der „Weihenstephaner Erklärung zu Wald und Forstwirtschaft im Klimawandel“ bekräftigt der gesamte bayerische Forstsektor, das sind 22 forstliche Verbände, Vereine und Organisationen („F 22“), einschließlich der Staatsregierung, sein gemeinsames entschlossenes Vorgehen.

Klimakonzept der Bayerischen Forstverwaltung – Schaubild 53 in höherer Auflösung

 

Die Staatsregierung setzte sich ferner intensiv für die Einrichtung eines bundesweiten Wald-Klima-Fonds ein.

Allein im Privat- und Körperschaftswald müssen rd. 260 000 ha dringend in Mischbestände umgebaut werden. Ziel des Aktionsprogramms Waldumbau 2020 ist der Umbau von rd. 100 000 ha akut gefährdeter Fichten- und Fichten-Kiefern-Bestände im Privat- und Körperschaftswald in klimatolerantere Mischwälder. In den Jahren 2008 und 2009 wurden – angeregt durch Beratung und finanzielle Zuschüsse im Rahmen der forstlichen Förderung – insgesamt rd. 13 700 ha Mischwälder angelegt.

Nach dem Waldumbauprogramm der Bayerischen Staatsforsten (BaySF) sollen im Staatswald zwischen 2009 und 2033, also innerhalb von 25 Jahren, rd. 165 000 ha umbauwürdiger Fichten- und Kiefern-Reinbestände durch Pflanzung und Naturverjüngung in Mischwälder mit mindestens 30 % Laubbäumen/Tannen umgebaut werden. In den Geschäftsjahren 2008 und 2009 wurden zusammen rd. 16 000 ha umgebaut.

Im Alpenraum wird sich der Klimawandel besonders stark auswirken. Daher sind Erhalt und wo nötig Sanierung der Schutzwälder und ihrer lebenswichtigen Schutzfunktionen von höchster Bedeutung. 60 % des Bergwaldes sind Schutzwald. Die Schutzmaßnahmen im Bergwald („Bergwaldoffensive“) umfassen intensive Schutzwaldpflege und -sanierung in Verbindung mit effektiver Schalenwildregulierung. Ein flächendeckendes Informationssystem soll gezielte Reaktionen in regionalen Risikogebieten ermöglichen.

Intelligente Holzverwendung bietet ein erhebliches Potenzial für den Klimaschutz. In den Jahren 2008 und 2009 wurden Forschungs- und Entwicklungsvorhaben zu Holzverwendung und Kurzumtriebskulturen durchgeführt.

Die Kohlenstoffspeicher im Wald sollen erhalten und ausgebaut werden. Darüber hinaus sollen Kohlenstoffvorräte beobachtet, optimierte Bewirtschaftungsmethoden entwickelt sowie Moore und andere kohlenstoffreiche Sonderstandorte, die nicht mehr intakt sind, wieder renaturiert werden. In den Jahren 2008 und 2009 konnten aus Mitteln für „besondere Gemeinwohlleistungen“ u. a. im Fichtelgebirge sowie im Raum Traunstein und Rosenheim eine Reihe entsprechender Projekte im Staatswald realisiert werden. Die besonderen Gemeinwohlleistungen erbringt die BaySF über die gesetzlich geforderte, vorbildliche Bewirtschaftung des Staatswaldes hinaus. Dafür erhält sie Zuwendungen aus Haushaltsmitteln des Freistaates.

Gemeinsam mit den „F 22“ entwickelte die Forstverwaltung 2009 den Klima-Holzwürfel, ein markantes Holzobjekt, das auf die Betroffenheit der Wälder, die Notwendigkeit von Anpassungsmaßnahmen und die Chancen durch intelligente Holzverwendung aufmerksam machen soll und sich besonders an Kommunen richtet. Unter Weihenstephaner-Erklaerung steht dafür die Bauanleitung kostenlos bereit.